MEDIZIN: Referiert

Hyperaktivität bei Kindern durch Nahrungsmittelzusätze

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): 346

Mertens, Stephan

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Natriumbenzoat und künstliche Lebensmittelfarben können bei Kindern zu Hyperaktivität führen. Dies ist das Ergebnis einer doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie. 153 Dreijährige und 144 Kinder im Alter von 8 bis 9 Jahren nahmen an der sechswöchigen Studie teil.

Die Autoren untersuchten, ob sich das Verhalten der Kinder änderte, wenn sie täglich eine Getränk zu sich nahmen, das mit Farbstoffgemischen und einem Konservierungsstoff versetzt war. Getränk A und B unterschieden sich in der Zusammensetzung der Farbstoffe. Die Dosis der Farbstoffe entsprach dem durchschnittlichen täglichen Konsum entsprechender Süßigkeiten. Untersuchungen zufolge verzehren 3-Jährigen im Schnitt 112 g und die älteren Probanden 140 g Süßigkeiten täglich.

In der ersten Studienwochen konsumierten die Kinder keine der zu testenden Inhaltsstoffe. In den Wochen 2, 4 und 6 nahmen die Kinder täglich Getränk A, B oder ein Placebo zu sich. In den dazwischen liegenden Wochen erhielten die Studienteilnehmer keine der getesteten Inhaltsstoffe. Ob ein Kind hyperaktiv war, beurteilten die Autoren, Lehrer und Eltern anhand strukturierter Fragebögen, die zu einem globalen Hyperaktivitätsindex zusammengefasst wurden. Die folgende Auswertung bezieht sich auf Kinder, die mindestens 85 % der geplanten täglichen Dosis konsumiert hatten. Die 3-Jährigen waren nach Genuss von Getränk A signifikant hyperaktiver im Vergleich zu Placebo (Effektgröße: 0,32; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,05 bis 0,6, p = 0,02). Getränk B führte zu keinem signifikanten Unterschied bei den 3-Jährigen. Bei den 8- bis 9-Jährigen hatten beide Mischungen signifikant negative Effekte im Vergleich zu Placebo: Für Getränk A betrug die Effektgröße 0,12 (95-%-KI: 0,02 bis 0,23; p = 0,023) und für B 0,17 (95-%-KI: 0,07 bis 0,28; p = 0,001). Eine Effektstärke von 0,2 enspricht etwa 10% der Verhaltensdifferenz von gesunden Kindern zu jenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. In jeder Altersgruppe brachen 10 % die Studie ab. Adjustiert wurde für Reihenfolge der Provokation, Geschlecht, Hyperaktivitätsindex vor Studienbeginn, Ernährung vor Studienbeginn sowie Ausbildung und sozialer Status der Mutter.

Getränk A setzte sich aus 5 mg Gelborange (E110), 2,5 mg Carmoisin, 7,5 mg Tartrazin (102), 5 mg Ponceau 4R (E124) und 45 mg Natriumbenzoat (E211) zusammen. Getränk B bestand aus 7,5 mg Gelborange, 7,5 mg Carmoisin, 7,5 mg Quinolingelb (E104) und 7,5 mg Allurarot (E129) sowie 45 mg Natriumbenzoat. Natriumbenzoat ist ein Konservierungsstoff, der häufig Colagetränken und anderen Limonaden beigefügt wird. me

McCann D, Barrett A, Cooper A et al.: Food additives and hyperactive behavoiur in 3-year-old and 8/9-year-old children in the community: a randomised, douple-blinded, placebo-controlled trial. Lancet 2007; 370: 1560–7.

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