ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2008Essstörungen: Einfluss auf Suizidrisiko

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Essstörungen: Einfluss auf Suizidrisiko

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LNSLNS Anorexia nervosa gehört zu den Essstörungen mit einer hohen Mortalitätsrate. Etwa 18 Prozent der meist weiblichen Patienten sterben infolge medizinischer Komplikationen oder Suizid. Kanadische und französische Wissenschaftler haben jetzt untersucht, wie hoch das Suizidrisiko bei verschiedenen Essstörungen liegt. Sie analysierten die Daten von 968 Pariser Patienten, die an Anorexia nervosa, Bulimia nervosa oder binge eating disorder litten, und stellten fest, dass Patienten mit Bulimia nervosa am häufigsten Suizidversuche unternommen hatten, gefolgt von Patienten mit anderen Essstörungen. Patienten mit Anorexia nervosa waren besonders suizidgefährdet, wenn sie gleichzeitig Drogen missbrauchten. Darüber hinaus ging Anorexia nervosa am häufigsten mit vollendetem Suizid einher, während Bulimia nervosa und binge eating disorder eher mit Suizidgedanken und -versuchen assoziiert waren. Vor allem Unzufriedenheit mit dem Körper und Perfektionismus, aber auch Depressionen, Alkohol- und Tabakkonsum zählten zu den einflussreichsten Ursachen für Suizidabsichten. Eine Folge von Essstörung, nämlich Übergewicht bzw. Adipositas, scheint sich hingegen gegenteilig auf das Suizidrisiko auszuwirken. Wie Wissenschaftler der Portland State University herausfanden, sinkt mit jeweils fünf kg/qm des BMI das Suizidrisiko bei Männern und Frauen um 18 bis 24 Prozent. „Am stärksten suizidgefährdet sind sehr schlanke Menschen“, so die Wissenschaftler. ms

Kaplan M, McFarland B, Huguet N: The relationship of body weight to suicide risk among men and women. The Journal of Nervous and Mental Disease 2007; 11: 948–51.
Fedorowicz MD et al.: Factors associated with suicidal behaviors in a large french sample of inpatients with eating disorders. International Journal of Eating Disorders 2007; 7: 589–95.
Mark S. Kaplan, Professor of Community Health, Portland State University, PO Box 751, Portland, OR 97207, E-Mail: kaplanm@pdx.edu
Valerie Fedorowicz, Montreal Children’s Hospital, 4018 Ste-Catherine West, Montreal, QC H3Z 1P2, Canada, E-Mail: vfedoro@gmail.com
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