ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2008Ursprungszelle des Melanoms im Visier der Therapie

AKTUELL: Akut

Ursprungszelle des Melanoms im Visier der Therapie

Dtsch Arztebl 2008; 105(20): A-1038 / B-902 / C-882

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Tumorinitiierende Zellen (TIC) rücken in jüngster Zeit ins Visier der klinisch-onkologischen Forschung: Zumindest bei einem Teil der Malignomformen geht man heute davon aus, dass nicht alle Zellen eines Tumors die Fähigkeit haben, neues Krebswachstum auszulösen, sondern nur ein Teil von ihnen, eben die TIC. Könnten diese zusätzlich zu den übrigen Tumorzellen therapeutisch zerstört werden, wäre das Übel an der Wurzel gepackt.

Für das maligne Melanom sind solche tumorinitiierenden Zellen jetzt charakterisiert worden. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Markus H. Frank vom Children’s Hospital and Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston/USA hat die in Kooperation mit Kollegen der Chirurgischen Klinik der Universität Würzburg erzielten Studienergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht (doi:10.1038/nature06489). Dabei fanden die Forscher heraus: Es ist die Subpopulation von Tumorzellen, die das Protein ABCB5 exprimieren, welche das Wachstum neuer Melanome auslöst. Bei Patienten korreliert die Expression von ABCB5 auf Melanomzellen mit einer klinischen Progression des Malignoms.

Gefährliche Multifunktionalität
Das Protein ABCB5 ist kein Unbekannter: Es vermittelt auch die Resistenz von Melanomzellen gegen Zytostatika wie Doxorubicin. Die neuen Untersuchungen belegen die gefährliche Multifunktionalität des Proteins: Zellen, die ABCB5 exprimieren (ABCB5+), teilen sich rasch und erneuern ständig den Pool der ABCB5+-Zellen, erzeugen aber auch ABCB5– -Zellen, die deutlich langsamer wachsen. Wurden ABCB5+-humane Melanomzellen in immuninkompetente Nacktmäuse übertragen, wuchsen die Tumoren rasch. Injizierten die Forscher den Mäusen Antikörper (Ak) gegen ABCB5, erreichten die Tumoren nur einen Bruchteil des Volumens von Ak-unbehandelten Tieren. Eine Antikörpertherapie gegen ABCB5+ könnte damit die Zytostatikaresistenz vorhandener Melanome und das Wachstum von neuen hemmen.

Ein ebenfalls neues Ziel zur Behandlung des malignen Melanoms ist das Protein TROY aus der Familie der Tumor-Nekrose-Faktor-Rezeptoren. Man findet es auf primären und metastasierenden Melanomen. Werde die Expression von TROY gehemmt, vermindere sich die Teilungsrate, so ein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg im „International Journal of Cancer“(doi 10.1002/ijc.22367).
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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