POLITIK

Paradigmenwechsel

Dtsch Arztebl 2008; 105(20): A-1046 / B-908 / C-888

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Ärzte in Baden-Würtemberg proben schon mal gern den wohlkalkulierten Aufstand. Die Initialzündung etwa für die Beendigung der Tarifgemeinschaft des Marburger Bundes mit Verdi sei von Baden-Württemberg ausgegangen, erinnert Kammerpräsidentin Dr. med. Ulrike Wahl in einem Vorgespräch zum 111. Deutschen Ärztetag in Ulm.

Bei den Kassenärzten, unter denen es schon seit Langem gärt, kommt es jetzt zum Schwur. Hausärzteverband und Ärzteverbund Medi haben mit der AOK einen Vertrag über die hausärztliche Versorgung nach § 73 b SGB V abgeschlossen. An der Kassenärztlichen Vereinigung vorbei.

Wahl sieht einen Paradigmenwechsel in der vertragsärztlichen Versorgung heraufziehen. Man solle zunächst aber abwarten, wie erfolgreich das Modell sei. Doch scheine die Zeit der allumfassenden KV sich dem Ende zuzuneigen.

Die Kammern könnten infolgedessen an Bedeutung gewinnen.
Wahl ist seit 2003 Präsidentin der Kammer. Diese umfasst rund 54 000 Ärztinnen und Ärzte, 40 000 davon sind berufstätig, darunter jeweils etwa 19 000 niedergelassen oder im Krankenhaus angestellt. Versorgungsengpässe, wie sie anderswo zu beobachten sind, scheint es im Südwesten nicht zu geben. Dr. med. Achim Hoffmann-Goldmayer, der KV-Vorsitzende, spricht von einer hervorragenden vertragsärztlichen Versorgung. 94 Prozent aller arztgruppenbezogenen Planungsbereiche seien wegen Überversorgung gesperrt. Die hausärztliche Versorgung sei überall sichergestellt.

Und im Krankenhaus? Es gebe merkliche Anzeichen für Ärzteknappheit, sagt Wahl; bei Stellenbesetzungen, „muss man länger suchen“. Deutlich spürbar sei die enorme Leistungsverdichtung. Die betreffe alle Häuser, nicht nur die privaten. Die Privatisierungswelle sei im Übrigen etwas abgeebbt. Interessant für die privaten Träger seien aber noch „die ganz großen Brocken“.

Wahls Resümee: „An Arbeit mangelt es nicht, nur die Bezahlung lässt zu wünschen übrig. Wir sind allerdings nicht gewillt, das hinzunehmen.“ Alles in allem, die Kammerpräsidentin freut sich auf den Ärztetag. Besonders gespannt ist sie auf die Debatte zur elektronischen Gesundheitskarte. NJ
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