ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2008Randomisierte Studien: Vielfältige Schwierigkeiten
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Als Chirurg steht man bei der randomisierten kontrollierten Studie vielfältigen Schwierigkeiten gegenüber. Zunächst müht man sich um sinnvolle Zielkriterien, dann erklärt man dem Patienten, man wisse nicht, welche der Methoden die bessere sei. Am besten weiß der Patient anschließend nicht, ob und wie er operiert wurde, und der Operateur weiß auch nicht, was und ob er etwas getan hat. Um den Bias bei der Nachkontrolle möglichst klein zu halten, lässt man andere Ärzte untersuchen. Schlussendlich erhält man die Antwort, die Methode A sei die bessere hinsichtlich der Zielkriterien, obwohl nur der Nachweis geführt wurde, dass die Methode B nicht beherrscht wird. Um dies zu vermeiden, plant man eine Multicenter-Studie, um den durchschnittlichen Operateur den durchschnittlichen Patienten operieren zu lassen. Aber als Patient möchte ich nicht durchschnittlich behandelt werden, und auch als Chirurg nehme ich einfach für mich in Anspruch, dass ich mich nicht am Durchschnitt orientieren will. Die meisten Menschen charakterisieren sich heute noch über ihre Individualität. Abweichungen vom Mittelwert werden in Zukunft durch durchschnittliche Behandlungen sanktioniert, und je perfekter die Medizin wird, desto durchschnittlichere Menschen bleiben übrig . . .
Priv.-Doz. Dr. med. Gerald Denk Giebel,
Martin-Luther-Straße 93, 66280 Sulzbach
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