ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2008ÄrzteSchach: Ein opfernder Gynäkologe

SCHLUSSPUNKT

ÄrzteSchach: Ein opfernder Gynäkologe

Dtsch Arztebl 2008; 105(20): [80]

Pfleger, Helmut

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Dr. med. Helmut Pfleger Foto: Dagobert Kohlmeyer
Dr. med. Helmut Pfleger Foto: Dagobert Kohlmeyer
Wenn man gleich drei Bekannte und Freundinnen hat, die nahezu zeitgleich an Brustkrebs erkranken und einen um Rat angehen, ist es gut, sich seinerseits fachmännisch beziehungsweise fachfraulich kundig machen zu können. Dazu hat mir das Schicksal eine Nichte als Gynäkologin beschert, doch dummerweise spielt sie aus unerklärlichen Gründen kein Schach (leider ist sie in dieser Hinsicht nicht einmal das einzige schwarze Schaf in der Familie) und kommt insofern auch nicht zum Ärzteschachturnier. Sehr wohl tut dies aber Jahr für Jahr Dr. med. Christian Cimbollek, der mich so über den letzten Stand der Dinge aufklären konnte. Gynäkologisch weiß er also Bescheid, doch wie steht es um seine Schachkünste?

Vor Jahr und Tag schenkte er mir ein englischsprachiges Buch, dessen Titel frei übersetzt „Der hoffnungslos Schachsüchtige“ (angeblich soll es keine Anspielung auf uns beide sein) lautet, welches die englischen Autoren Bobby Fischer – dieser allerdings wahrlich ein Schachsüchtiger, ja sogar Schachverrückter – widmeten: „Möge er nie aufhören, uns zu erstaunen.“ Nun, das hat er wohl dennoch getan, im Januar ist Fischer im schachsymbolischen Alter von acht mal acht Jahren an Nierenversagen gestorben. Stattdessen hat Dr. Cimbollek die anwesenden Ärzte erstaunt und seinen Studienfreund aus Würzburger Zeiten, Prof. Dr. med. Peter Krauseneck, so entzückt, dass dieser ganz aufgeregt – eine absolute Seltenheit bei ihm – zu mir kam: „Komm schnell, du musst dir unbedingt die herrliche Kombination von Christian anschauen!“

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie entdeckt man ein solches Juwel einer (Opfer-)Kombination? Ist es ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand wie bei Einsteins Entdeckung seiner Relativitätstheorie oder bei den Kompositionen Richard Wagners? Oder hat Dr. Cimbollek beim Mädlerschen Buchstand im Foyer die Partien von Bobby Fischer erworben und stieß dabei in dessen vielfach gerühmter Partie gegen Benkö auf ein ähnliches Motiv? Oder schüttelt der Kölner Gynäkologe gewohnheitsmäßig solche Kombination wie nichts aus dem Ärmel? Wie auch immer, Dr. Cimbollek als Weißer erzwang mit einem wunderschönen Schlüsselzug den sofortigen Gewinn gegen Dr. med. Arnold Schmid. Wie kam’s?

Lösung:
Das thematische 1.Lb1 mit der Mattdrohung auf h7 hätte Schwarz noch die Ressource 1. . . . f5 (1. . . . Sd3 2.Lxd3) erlaubt. Deshalb opferte Weiß zuerst mit 1.Sf6!! seinen Springer, was auch Matt auf h7 droht, aber 1. . . . Lxf6 erzwingt. Und nun erst, wo der schwarze Läufer seinen eigenen f-Bauern blockiert, 2.Lb1! mit der schrecklichen Mattdrohung auf h7. Diese wäre nur durch die sinnlose Aufgabe von Dame und Läufer (2. . . . Dxh2+ 3.Kxh2 Le5+ 4.Txe5 f5) etwas hinauszuzögern, weshalb Schwarz aufgab.
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