ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2008Paracelsus-Medaille 2008: Höchste Auszeichnung der Ärzteschaft verliehen

LAUDATIONES

Paracelsus-Medaille 2008: Höchste Auszeichnung der Ärzteschaft verliehen

Dtsch Arztebl 2008; 105(21): A-1139 / B-983 / C-963

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Beim 111. Deutschen Ärztetag in Ulm erhielten vier verdiente Ärzte die Paracelsus-Medaille.

Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille
Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille
Albert Schweitzer ist der erste und wohl auch der prominenteste Arzt, der sie erhalten hat: 1952 wurde der Friedensnobelpreisträger, Theologe und Philosoph mit der Paracelsus-Medaille geehrt. Diese höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft wurde zum 56. Deutschen Ärztetag in Berlin gestiftet. Seitdem ist die Verleihung der Medaille ein fester Bestandteil der Deutschen Ärztetage geworden. Mit der Paracelsus-Medaille werden Ärztinnen und Ärzte ausgezeichnet, die sich herausragende Verdienste um das Gesundheitswesen, die Patientenversorgung, die ärztliche Selbstverwaltung sowie das Gemeinwohl erworben haben.

„Der höchste Grund ist die Liebe“, steht auf der Rückseite der Medaille – ein Zitat von Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493– 1541), dem Namensgeber der Auszeichnung. Sein Profil ist auf der Vorderseite der Medaille abgebildet. Das Wissen und Wirken des Gelehrten Paracelsus gilt als umfassend. Er hat viele Aufzeichnungen und Bücher über astrologische, philosophische und theologische Themen hinterlassen. Seine eigentliche Bedeutung liegt aber auf dem Gebiet der Medizin. Paracelus vertrat eine neue Sichtweise der ärztlichen Heilkunde: weg vom Allgemeinen, von der Idee und von der Büchergelehrtheit – hin zum Konkreten, zum Patienten. Er vertraute auf den Tatsachenbefund, nicht auf abstrakte Lehren von Autoritäten. Mit seinen Ansichten steht er für den Wendepunkt zwischen mittelalterlicher und neuzeitlicher Medizin.

Paracelus war zu Lebzeiten ein umstrittener Gelehrter, weil er mit Kritik an seinen Kollegen nicht sparte. Er scheute sich nicht, die vorherrschende Lehrmeinung in-frage zu stellen – wie etwa die Viersäftelehre nach Galen. Seine Heilungserfolge waren legendär, trugen ihm aber auch die Missgunst etablierter Mediziner ein. Er war einer der Ersten, der Vorlesungen in deutscher Sprache hielt und wurde deshalb auch als „Luther der Medizin“ bezeichnet.

Das Präsidium des Deutschen Ärztetages beschloss 1952 die Stiftung der Paracelsus-Medaille. Das Statut der Auszeichnung legte der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer fest. Demnach wird die Paracelsus-Medaille jährlich in der Regel an drei Ärztinnen und Ärzte verliehen, die sich durch vorbildliche ärztliche Haltung oder durch erfolgreiche berufsständische Arbeit oder hervorragende wissenschaftliche Leistungen besondere Verdienste um das Ansehen des Arztes erworben haben.

Beim 111. Deutschen Ärztetag in Ulm zeichnete Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages, vier verdiente Ärzte mit der Paracelsus-Medaille aus (siehe Kasten). Auf den folgenden Seiten befinden sich die Porträts der diesjährigen Träger der Paracelsus-Medaille. Es handelt sich um eine Kurzfassung der Laudationes, die anlässlich der Verleihung erstellt wurden.
Dr. med. Birgit Hibbeler


Träger der Paracelsus-Medaille 2008

Prof. Dr. med. Fritz Beske (85), Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen aus Kiel, Gründer und Leiter des Fritz-Beske-Instituts für Gesundheits-System-Forschung, zuvor Staatssekretär im Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein

Anzeige
Prof. Dr. med. Heyo Eckel (73), Facharzt für Radiologie aus Göttingen, ehemaliger Präsident der Ärztekammer Niedersachsen und Vorsitzender des Deutschen Senats für Ärztliche Fortbildung, Engagement in der Landesstiftung „Kinder von Tschernobyl“

Dr. med. Siegmund Kalinski (81), Facharzt für Allgemeinmedizin und Journalist aus Frankfurt/Main, Mitglied im Präsidium der Ärztekammer Hessen, besondere Verdienste um die Aufarbeitung des Holocaust und die Pflege der deutsch-polnischen Beziehungen

Prof. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter (85), Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Psychotherapeutische Medizin aus Gießen, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Psychosomatik, Mitbegründer der Initiative „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“


Die ausführlichen Laudationes finden Sie im Internet unter: www.aerzteblatt.de/paracelsus-medaille

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema