ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2008Fritz Beske: Der unentbehrliche Politikberater

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Fritz Beske: Der unentbehrliche Politikberater

Dtsch Arztebl 2008; 105(21): A-1140 / B-984 / C-964

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Prof. Dr. med. Fritz Beske analysiert als anerkannter Wissenschaftler mit viel Sachverstand die Struktur des Gesundheitswesens. Damit ist er zu einem wichtigen Berater für Entscheidungsträger geworden. Foto: IGSF-Stiftung
Prof. Dr. med. Fritz Beske analysiert als anerkannter Wissenschaftler mit viel Sachverstand die Struktur des Gesundheitswesens. Damit ist er zu einem wichtigen Berater für Entscheidungsträger geworden. Foto: IGSF-Stiftung
An seinen Gutachten kommt niemand vorbei: Prof. Dr. med. Fritz Beske (85), Leiter des Fritz-Beske-Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel, analysiert seit Jahren das deutsche Gesundheitswesen. Seine Studien sind keine abstrakten akademischen Abhandlungen, sondern konkrete Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger. „Mehr Sachverstand in die gesundheitspolitische Diskussion“ – das ist wohl sein wichtigster Grundsatz.

Beske wurde am 12. Dezember 1922 in Wollin, Pommern, als Sohn des praktischen Arztes Fritz Beske geboren. Während des Zweiten Weltkriegs war er bei der Kriegsmarine eingesetzt, zunächst auf Minenräumbooten, dann als U-Boot-Offizier. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft arbeitete er ein Jahr lang als Bergmann im Ruhrgebiet. Sein Vater wurde seit Kriegsende in Russland vermisst. Trotz widriger Umstände begann Beske 1946 das Studium der Humanmedizin an der Universität Kiel. 1951 wurde er zum Dr. med. promoviert.

Nach dem Studium begann Beske eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Hygiene-Institut der Universität Kiel, unterbrach diese Arbeit aber 1954: An der Universität Michigan in Ann Arbor, USA, erwarb er den Abschluss Master of Public Health, mit dem er 1955 nach Kiel zurückkehrte. Beske dürfte damit einer der ersten Deutschen gewesen sein, der eine solche Qualifikation vorweisen konnte.

Schnell zeigte sich, dass der Sachverstand des ambitionierten jungen Arztes gefragt war: 1958 wurde er Referent in der Gesundheitsabteilung des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein. Beske machte sich aber auch einen Namen über die Landesgrenzen hinaus, sodass die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ihn in das europäische Büro nach Kopenhagen holte. 1965 kehrte Beske jedoch ins Innenministerium nach Kiel zurück und wurde dort Leiter der Gesundheitsabteilung. Von 1971 bis 1981 bekleidete er das Amt des Staatssekretärs im Sozialministerium.

Der Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen – seit 1955 CDU-Mitglied – war aber nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene politisch aktiv. Dem Bundesfachausschuss für Gesundheitspolitik der CDU stand er von 1972 bis 1983 vor. Er setzte sich schon damals für eine Überarbeitung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ein. Angesichts des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts hielt er dies für dringend geboten, wenn es auch künftig eine moderne medizinische Versorgung für alle Menschen geben solle. In diesem Zusammenhang forderte er eine Entlastung der GKV von versicherungsfremden Leistungen. Das gesundheitspolitische Programm der CDU aus dem Jahr 1978 trägt Beskes Handschrift. Sein grundsätzliches Plädoyer für ein freiheitlich organisiertes und selbstverwaltetes Gesundheitswesen und gegen ein bürokratisches, staatliches Versorgungssystem hat nicht an Aktualität verloren. Sein Name stand schon in seiner Zeit als aktiver Politiker für eine umfassende Sachkenntnis.

Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Staatssekretär widmete sich Beske, den die Medizinische Fakultät der Universität Lübeck 1973 zum Honorarprofessor ernannte, ganz der wissenschaftlichen Arbeit in dem 1975 von ihm gegründeten Institut für Gesundheits-Systemforschung Kiel. Dieses trägt heute den Namen Fritz- Beske-Institut für Gesundheits-System-Forschung, es war von 1983 bis 2004 Kooperationszentrum der WHO. Das Institut gibt eine Schriftenreihe heraus, in der bisher 109 Bände erschienen sind. Ein zentrales Thema der allseits beachteten und anerkannten Forschungsarbeiten ist dabei die Zukunft der GKV. Um die Politik zu mahnen, rechnet Beske regelmäßig vor, wie sich die Kosten im Gesundheitswesen entwickeln werden, wenn die Entscheidungsträger nicht handeln – wie zuletzt im Zukunftsszenario „Gesundheitsversorgung 2050“. Sein Arbeitseifer ist bis heute ungebrochen.

Anschrift: Rehbenitzwinkel 29
24106 Kiel
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