ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2008TEFAF Maastricht: Exponate von Museumsqualität

KULTUR

TEFAF Maastricht: Exponate von Museumsqualität

Dtsch Arztebl 2008; 105(21): A-1146 / B-990 / C-970

Jaeschke, Helmut

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Foto: Loraine Bodewes
Foto: Loraine Bodewes
Hinwendung zu moderner und zeitgenössischer gegenständlicher Kunst

Während andere Messen schwächeln und um jeden Besucher buhlen, hat die European Fine Art Fair (TEFAF) Maastricht ganz andere Probleme. Seit die Zahl der Messebesucher jährlich um neun Prozent zunimmt und zuletzt die Zahl 70 000 erreicht hat, befürchten die Veranstalter, dass die Attraktivität und Exklusivität der Messe durch die Besucherströme leiden könnten. Daher haben sie bereits im Vorjahr die Eintrittspreise auf 55 Euro pro Person erhöht. Aber wo sonst bekommt man derartig viele Exponate von Museumsqualität geboten wie hier, und das in prächtigem Rahmen? In diesem Jahr wurde die traditionelle Blumendekoration mit Tulpen in ein Meer von 175 000 Anemonen verwandelt.

Starke Nachfrage
Zwar waren im Vorfeld der Messe zahlreiche Aussteller verunsichert angesichts des instabilen wirtschaftlichen Klimas. Alle Skepsis wurde jedoch auf der Messe durch die starke Nachfrage von Sammlern entkräftet, und auch die Besucherzahlen übertrafen erneut die Zahlen des Vorjahrs. Die Verkäufe konzentrierten sich nicht nur auf die traditionsreichste Sektion der TEFAF, die Gemälde alter Meister, sondern betrafen in gleicher Weise die Sparte moderne und zeitgenössische Kunst. So wurde das auf 30 Millionen Euro bezifferte Knabenbildnis van Goghs „Kind mit Orange“ (Galerie Dickinson, New York) ebenso verkauft wie eine großformatige Papierarbeit von Neo Rauch (780 000 Euro) und das Gemälde „Die Vasallen“ von Klapheck für 80 000 Euro (Gemeinschaftsstand Anthony Meier/Schönewald). Die Galerie Thomas freute sich über gute Verkäufe von Werken der Expressionisten Nolde und Kirchner. Bei der Galerie Applicat-Prazan, Paris, wechselte das Gemälde „Bouteilles Rouges“ von Nicolas de Staël den Besitzer. Das großformatige Gemälde hat der Künstler kurz vor seinem Suizid im Jahr 1955 gemalt, und es gilt als eines seiner Hauptwerke. Beck & Eggeling, Düsseldorf, konnten fünf figurative Arbeiten von Heribert C. Ottersbach (geboren 1960) zu Preisen bis zu 64 000 Euro verkaufen.

Die Besucherzahlen der TEFAF Maastricht übertrafen die Zahlen des Vorjahres. Und das zu Recht. Schließlich bekommt man an kaum einem anderen Ort derartig viele Exponate von Museumsqualität geboten.
Die Besucherzahlen der TEFAF Maastricht übertrafen die Zahlen des Vorjahres. Und das zu Recht. Schließlich bekommt man an kaum einem anderen Ort derartig viele Exponate von Museumsqualität geboten.
Diese Hinwendung zu moderner und zeitgenössischer gegenständlicher Malerei, die auch in den Auktionshäusern zu beobachten ist, wird zwar gelegentlich als „neue Spießigkeit“ belächelt („Welt am Sonntag“ vom 16. März 2008), ist aber durchaus auch als verständliche Abkehr von den ermüdenden Experimenten einer überlebten Avantgarde zu erklären. Zudem sehen nach Angaben von Ben Janssens, Chairman der TEFAF, viele Besucher zurzeit keine Veranlassung zur Investition in Aktien und geben ihr Geld stattdessen lieber für Kunst und Antiquitäten aus. Davon profitiert auch der Altmeistermarkt. So verkaufte Johnny van Haeften, London, eine Darstellung von „Aeneas und Sibyl in der Unterwelt“ von Jan Brueghel dem Jüngeren. Ein weiteres bedeutendes Altmeistergemälde, die „Opferung der Iphigenie“ von Jan Steen, wurde bei Dickinson, London, zu einem Preis von annähernd acht Millionen Euro zugeschlagen. Solche Objekte bleiben am ehesten den mit rund 225 Privatflugzeugen aus aller Welt Angereisten vorbehalten. Doch erstmalig hat die Messeleitung auch einmal an die weniger Vermögenden gedacht und in der kleinen Abteilung TEFAF Showcase dem kunsthändlerischen Nachwuchs die Chance zur Teilnahme zu günstigen Bedingungen gegeben. Dort werden Objekte auch aus dem mittleren Preissegment angeboten.

Die nächste TEFAF Maastricht findet vom 13. bis 22. März 2009 im Maastricht Exhibition & Congress Centre statt.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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