ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2008Wässrige Durchfälle: Mikroskopische Kolitis abklären

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Wässrige Durchfälle: Mikroskopische Kolitis abklären

Dtsch Arztebl 2008; 105(21): A-1150

Vetter, Christine

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LNSLNS Endoskopie mit serieller Biopsie empfohlen. Budesonid-Rektalschaum erzielt hohe Remissionsrate.

Noch zu wenig beachtet wird die mikroskopische Kolitis, die sich in die kollagene und die lymphozytäre Kolitis unterteilt. Beide Störungen sind häufiger, als meist angenommen. Ihre Inzidenz gab Prof. Andreas Tromm (Hattingen) mit 0,6 bis 2,3/100 000 für die kollagene Kolitis und mit 4,4/100 000 für die lymphozytäre Kolitis an. Die Prävalenz der kollagenen Kolitis bezifferte er auf zehn bis 15,7/100 000 Einwohner, wobei Frauen rund viermal häufiger als Männer betroffen sind.

Als Leitsymptom der mikroskopischen Kolitis, die meist um das 50. Lebensjahr diagnostiziert werde, nannte Tromm anhaltende wässrige Diarrhöen, die in der Regel aber nicht zum Gewichtsverlust führten. Bestehe der Durchfall schon länger als vier Wochen, so sei eine Endoskopie mit serieller Biopsie angezeigt, da der makroskopische Befund normal sei und die mikroskopische Kolitis sich nur anhand des histologischen Bildes eindeutig diagnostizieren lasse. „Es handelt sich nicht um eine chronisch entzündliche Darm­er­krank­ung und auch nicht um ein Reizdarmsyndrom vom Diarrhötyp, sondern um ein eigenständiges Krankheitsbild“, betonte Tromm.

Behandelt werde dieses durch das lokal wirksame Steroid Budesonid, das seine klinische Wirksamkeit in drei kontrollierten Studien unter Beweis gestellt habe. Die Remissionsrate war dabei mit 90 Prozent sehr hoch, und eine Cochrane-Analyse bestätigte die gute klinische Wirksamkeit mit einer errechneten Number-needed-to-treat von nur zwei Patienten. „Der Wirkstoff führt innerhalb von fünf bis zehn Tagen zu einer anhaltenden Besserung der Diarrhö“, schilderte Prof. Wolfgang Kruis (Köln) seine Erfahrung.
Als Mittel der Wahl bei der Behandlung chronisch entzündlicher Darm­er­krank­ungen nannte er dagegen das Mesalazin, das gegebenenfalls auch mit Budesonid kombiniert werden sollte. Mesalazin wird mit drei Gramm täglich dosiert, wobei aktuelle Untersuchungen laut Kruis zeigen, dass die einmalige Gabe als Hochdosistherapie noch etwas effektiver ist als die dreimal tägliche Einnahme von einem Gramm des Wirkstoffs. „Bei anorektalem Befall sollte die Behandlung mit Rektalschäumen erfolgen“, gab Kruis zu bedenken. Diese seien einfach anzuwenden und würden von den Patienten gut akzeptiert.

Auch Prof. Heinz J. Buhr (Berlin) sprach sich für den bevorzugten Einsatz von Rektalschäumen bei Patienten mit anorektalem Befall aus, da „diese Darreichungsform länger als Klysmen direkt am Entzündungsort haften“.
Christine Vetter

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