ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2008Modellprojekt „Mobile Praxisassistentin“

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Modellprojekt „Mobile Praxisassistentin“

Dtsch Arztebl 2008; 105(22): A-1178 / B-1016 / C-996

Gerst, Thomas

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LNSLNS In Sachsen-Anhalt startete im Dezember 2007 das Modellprojekt „Mobile Praxisassistentin“ in Vertragspartnerschaft von Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt und AOK Sachsen-Anhalt. Die Laufzeit ist auf drei Jahre angelegt, ab Mitte 2008 steht das Projekt auch für andere Krankenkassen offen. In zunächst drei Regionen sollen mobile Praxisassistentinnen zum Einsatz kommen. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium finanziert die wissenschaftliche Begleitung des Projekts.

Die „Mobile Praxisassistentin“ sucht im Auftrag des Hausarztes Patienten auf, die nicht mehr selbst in die Arztpraxis kommen können. Sie ist direkt an ein Hausarztpraxisteam angebunden und führt das aus, was der Arzt vorher angeordnet hat. Sie beurteilt und kontrolliert im Auftrag des Arztes eigenständig den Gesundheitszustand des Patienten oder den Verlauf chronischer Krankheiten. Sie setzt den vom Hausarzt erstellten Behandlungsplan um und besucht in den von ihm vorgegebenen Intervallen die Patienten.

Teilnehmen können Versicherte der AOK Sachsen-Anhalt, die mindestens 65 Jahre alt sind und sich am Hausarztprogramm der AOK Sachsen-Anhalt beteiligen. Zudem muss eine eine chronische Erkrankung vorliegen. Das Projekt ist vorerst beschränkt auf circa 1 000 Versicherte und fünf Arztpraxen in bestimmten Regionen.

Zu den Aufgaben der „Mobilen Praxisassistentin“ im häuslichen Bereich teilnehmender Patienten gehört:
- Blutabnahme, Blutdruck- und Blutzuckermessung
- Injektionsgabe
- Prüfung der Medikamentenverträglichkeit
- Ausstellung von Folgerezepten nach ärztlicher Vorgabe
- Maßnahmen der Prävention wie z.B. eine Ernährungsberatung
- Sturzprophylaxe
- Kontrolle des Impfpasses
- Soziale Beratung
- Unterstützung der Angehörigen
- Überwachung der Leistungen der häuslichen Krankenpflege

Dr. med. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt, beurteilt das Modellprojekt positiv: „Die Zunahme chronischer Krankheiten wird dazu führen, dass in Zukunft neue Strukturen in der hausärztlichen Praxis notwendig werden. Nicht alles kann und muss der Hausarzt selbst erledigen, viele Aufgaben sind delegierbar. Die Entlastung bei der Betreuung von Patienten im häuslichen Umfeld stellt einen ersten wichtigen Schritt dar. Hier können besonders qualifizierte Arzthelferinnen in enger Abstimmung mit dem Hausarzt sehr viele Aufgaben übernehmen.“

Die „Mobile Praxisassistentin“ benötigt eine:
- abgeschlossene Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung
- oder eine abgeschlossene Ausbildung zur Sprechstundenschwester der ehemaligen DDR
- oder eine abgeschlossene Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten
- oder eine abgeschlossene Ausbildung zur Arzthelferin
- und den Nachweis einer mindestens dreijährigen Berufstätigkeit in einer Hausarztpraxis.

Ärztliche Tätigkeiten werden nach wie vor vom behandelnden Arzt durchgeführt. Bei unklaren oder auffälligen Befunden erfolgt durch die „Mobile Praxisassistentin“ während des Hausbesuchs eine sofortige telefonische Rücksprache mit dem Hausarzt. Pflegerische Leistungen werden durch die „Mobile Praxisassistentin“ nicht erbracht. TG
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