ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2008Studie: Delegation im Krankenhaus

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Studie: Delegation im Krankenhaus

Dtsch Arztebl 2008; 105(22): A-1180 / B-1017 / C-997

Gerst, Thomas

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LNSLNS Welche Tätigkeiten des ärztlichen Dienstes können auch von nicht ärztlichen Berufsgruppen übernommen werden? Eine vom Deutschen Krankenhaus-Institut vorgelegte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Delegation von Tätigkeiten insoweit zulässig ist, als sie nicht den Kernbereich ärztlichen Handelns, also insbesondere Diagnostik und Therapie, betrifft. Die Studie enthält eine Übersicht der Tätigkeiten, die an Krankenhäusern bereits delegiert werden.

Kurzfristig übertragbare Tätigkeiten
Diese ärztlichen Tätigkeiten könnten nach relativ kurzer Anpassungszeit vom nicht ärztlichen Personal in gleicher Qualität und Sorgfalt ausgeführt werden. Es werden in Abhängigkeit von der Patientengefährdung und der erforderlichen Qualifikation fünf Kategorien unterschieden:
- Qualifikation durch Ausbildung oder Weiterbildung (z. B. Codierung von Diagnosen/Prozeduren im Nachgang zur ärztlichen Festlegung, Dokumentation für Qualitätssicherung, Befunddokumentation, Vorbereitung des Arztbriefs, Ausstellung von Rezepten für die Folgemedikation, Materialversand)
- Qualifikation durch Ausbildung und Einweisung (z. B. venöse Blutentnahme, subkutane Injektionen, Basis-, Fremd- und Sozialanamnese, Vitalzeichenkontrolle, Blutzuckermessung, Insulinapplikation, Erstellung eines Ruhe-EKG, Fädenziehen, Medikamentengabe, Abstrichentnahme bei identifizierbaren Bereichen)
- Qualifikation durch Ausbildung (zum Beispiel intramuskuläre Injektionen, Blutentnahme aus einem peripheren Venenkatheter, Anlage einer transnasalen Sonde oder eines transurethralen harnableitenden Katheters, Durchführung einer kapillaren Blutgasanalyse oder eines Tuberkulin-Tests, Entfernen einer Portnadel, Hakenhalten im OP, Messung des zentralen Venendrucks, Wechsel von Blutkonserven)
- Qualifikation durch qualifizierende Ausbildung und spezifische Schulung, Delegation nur im Einzelfall (z. B. intravenöse Injektion eines Arzneimittels mit großer therapeutischer Breite und/oder geringer lokaler Toxizität, Anlage einer Venenverweilkanüle, Anlegen eines Gipsverbands, Injektion in liegende Infusionssysteme, offenes endotracheales Absaugen mit Tubus, Entfernen eines zentralen Venenkatheters)
- Qualifikation durch qualifizierende Ausbildung und strukturierte Weiterbildung, Delegation nur im Einzelfall unter Aufsicht eines Arztes (z. B. intravenöse Applikation von Zytostatika bei Vorliegen einer Medikamentenpositivliste, Punktion eines Portkatheters, Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchungen, Lungenfunktionsuntersuchung, intravenöse Injektionen von Antibiotika mit Beschränkung auf Folgegaben).
Die bisherigen Erfahrungen der Krankenhäuser zeigen laut DKI-Studie, dass es zu einer Entlastung des ärztlichen Dienstes kommt. Wie hoch das Entlastungspotenzial für das Krankenhaus im Einzelnen sei, hänge von den krankenhausindividuellen Gegebenheiten ab.

Mittelfristig übertragbare Tätigkeiten
Tätigkeiten, die mittelfristig delegiert oder neu zugeordnet werden können, würden eine umfangreichere Anpassung der Qualifikation erfordern. Grund hierfür sei das höhere Gefährdungspotenzial für die Patienten. Bei diesen Tätigkeiten handelt es sich in der Regel um komplexe und/oder umfangreiche Tätigkeitsbereiche, die Reorganisationsprozesse mit einem gewissen Zeitbedarf erfordern.
Exemplarisch werden die folgenden Bereiche genannt:
- nicht ärztliche Chirurgieassistenz bei operativen Eingriffen
- Case-Management
- Wundpflegemanagement
- Schmerzmanagement.
Mit diesen mittelfristig übertragbaren Tätigkeiten würde der ärztliche Dienst nicht nur entlastet, sondern diese Umstrukturierungen könnten auch zu einer Verbesserung der Qualität der Leistungserbringung führen. TG
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