ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2008Die Kunst ist weiblich: Kunst und Lebenskunst

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Die Kunst ist weiblich: Kunst und Lebenskunst

Dtsch Arztebl 2008; 105(22): A-1242 / B-1078 / C-1058

Schneider, Heide B.

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Foto:ddp
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Der Besucher der Gunter-Sachs-Retrospektive wird auf eine biografische Reise geschickt, die die zahlreichen Facetten des Weltbürgers verdeutlicht.

Unter dem Titel „Die Kunst ist weiblich“ zeigt das Museum der bildenden Künste in Leipzig zurzeit alle wichtigen Ausschnitte aus dem Leben des Weltbürgers Gunter Sachs. Diese Ausstellung vereint 50 Jahre Kunst und Lebenskunst. Die Retrospektive wurde eigens für das Leipziger Museum zusammengestellt und ist nur dort zu sehen. Rund 240 Fotografien sowie sechs Filme werden dort präsentiert. Hinzu kommen etwa 50 Werke aus der Kunstsammlung sowie Objekte aus dem Leben des Künstlers und Explayboys. Der Titel der Ausstellung wurde laut Sachs gewählt, „weil schon ein Blick ins Wörterbuch zeigt: die Kunst (w.); zum zweiten, weil es keine männliche Muse gibt, und drittens, weil die wahre Kunst aus der Intuition kommt, von der selbst wir Männer wissen, dass sie weiblich ist“.

Die legendäre Popwohnung im Palace-Hotel in St.Moritz mit Bett und Überwurf von Roy Lichtenstein
Die legendäre Popwohnung im Palace-Hotel in St.Moritz mit Bett und Überwurf von Roy Lichtenstein
Die Ausstellung ist tatsächlich eine Hommage an jede Frau. Sie beginnt zunächst mit der Serie „Heldinnen“. Diese präsentiert Fotografien des Starmodels Claudia Schiffer, unter anderem als Mata Hari, Kleopatra, Carmen, Blauer Engel oder Trümmerfrau, als Frau aus Märchen, Filmen und Legenden wie auch aus der Realität. Beeindruckend ist die separate Darstellung des dazugehörigen Symbols und die kurze historische Textauswahl. In Leipzig sind die berühmten warholschen Porträtarbeiten mit
den Motiven seiner Exfrau Brigitte
Bardot und Sachs selbst zu sehen. Letzteres entstand, als Gunter Sachs seine legendäre Popwohnung im Palace-Hotel in St. Moritz einrichtete. Sie ist in Originalgröße in der Ausstellung zu sehen. Alle Möbel, Vorhänge, Türen und Teppiche stammen aus dem Turmzimmer, in dem sich die Pop-Art-Elite der 60er- und 70er-Jahre die Klinke in die Hand gab und ihren Teil zur Innengestaltung beisteuerte. Roy Lichtenstein kreierte eine Badewanne, Andy Warhol griff zur Küche, Allen Jones befasste sich mit den Möbeln. Das in Leipzig auf rund 200 Quadratmetern Fläche rekonstruierte Turmzimmer wurde eine künstlerische Weltsensation und markiert einen der Höhepunkte der Leipziger Ausstellung.

Der Besucher wird auf eine biografische Reise geschickt, die die zahlreichen Facetten des rastlosen Kunstliebhabers verdeutlicht. Die Schau spannt einen Bogen von Sachs´ Exfrau Brigitte Bardot über Musen wie Claudia Schiffer bis hin zu den Modellen seiner softerotischen Fotografien à la David Hamilton. Sachs zufolge ist die Ästhetik ein Gesetz der Natur: bei den Menschen aller Völker, vom Marienkäfer bis zum Königstiger, vom Edelweiß bis zu den farbenprächtigen Wäldern des Indian Summer in Vermont. Die Ausstellung ist ein Gesamtkunstwerk, das Gunter Sachs´ umfassende Arbeiten als Galerist, Museumsdirektor, Filmemacher, Fotograf und Kunstliebhaber sowie deren Verflechtungen und Widerspiegelungen thematisiert. Der 75-Jährige schreibt in einem Fotoband über sich: „Die Welt braucht auch die Märchenerzähler und Gaukler, die mit ihrer Laterna magica durch die Lande ziehen. Zu ihnen zähle ich mich.“

Der im bayerischen Schweinfurt geborene Erbe der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs entdeckt im Alter von 14 Jahren durch die Kunstbücher seiner Mutter sein Interesse an diesem Thema. Nachdem er mit 16 Jahren den ersten Druck ersteht, eine Schlachtenszene von Eugène Delacroix, erwirbt er anschließend Werke von Picasso, Degas und Gauguin. Während seines Mathematikstudiums verstärkte sich sein Interesse an Kunst und Fotografie, und er machte diese Liebe zum Zentrum seines Lebens. Die Ausstellung, die noch bis zum 22. Juni zu sehen ist, endet mit einer persönlichen Übersicht über sein offenkundig beschwingtes Leben in Lichtbildern.
Dr. med. Heide B. Schneider
E-Mail: hbschneider@medizin.uni-leipzig.de

Weitere Informationen im Internet:
www.mdbk.de
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