ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2008Nicht invasive bildgebende Verfahren: Elektrophysiologische Diagnostik

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Nicht invasive bildgebende Verfahren: Elektrophysiologische Diagnostik

Dtsch Arztebl 2008; 105(22): A-1244 / B-1080

Bischoff, Angelika

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Darstellung der Myokardaktivierung mittels Rekonstruktion derepikardialen Stromdichte. Abbildung: Biomagnetic Diagnostic Systems
Darstellung der Myokardaktivierung mittels Rekonstruktion derepikardialen Stromdichte. Abbildung: Biomagnetic Diagnostic Systems
Magnetfeld-Imaging eignet sich in der Kardiolgie zur Ischämiediagnostik und in der Risikostratifizierung des plötzlichen Herztods.

Das Magnetfeld-Imaging (MFI) macht Magnetfelder sichtbar, die durch Zellaktivität hervorgerufen werden. Hauptanwendungsgebiete liegen derzeit in der Kardiologie – vor allem zur Ischämiediagnostik und Risikostratifizierung des plötzlichen Herztods. Es eignet sich aber auch für andere Bereiche wie Neurologie oder fötale Diagnostik. Die Bedeutung des Verfahrens für die Herzdiagnostik wurde auf dem Deutschen Kardiologenkongress in Mannheim erörtert.

- In Deutschland werden jedes Jahr 800 000 diagnostische Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt, doch nur 30 bis 40 Prozent davon ergeben eine therapeutische Konsequenz.

- Rund 80 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz und einer Ejektionsfraktion < 40 Prozent erleiden einen plötzlichen Herztod. Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) kann das Risiko dieser Patienten für den plötzlichen Herztod senken. Derzeit ist der ICD indiziert bei einer Ejektionsfraktion < 35 Prozent. Doch nur ein Fünftel der Risikopatienten, die einen ICD implantiert bekommen haben, benötigt diesen tatsächlich, das heißt, bei 80 Prozent tritt das Gerät nie in Aktion, und sie wären auch gut ohne es zurechtgekommen.

Mit der neuen nicht invasiven elektrophysiologischen Untersuchungsmethode des Magnetfeld-Imaging könnte man sowohl die Rate an Koronarangiografien ohne Konsequenz als auch die Zahl unnötiger ICD-Implantationen verringern, erklärte Prof. Karl-Heinz Kuck (Hamburg) in Hamburg.

Anhand der sich während der Herzaktion verändernden Magnetfelder kann die elektrophysiologische Funktion sichtbar gemacht werden. Dies erlaubt, sowohl krankhafte Veränderungen der Herzmuskelaktivität sowie der elektrischen Herzaktivierung zu erkennen. Das System könne zum Beispiel die Erregungsausbreitung während der Systole genau beurteilen und erlaube eine bessere Voraussage, wer ein Ereignis bekommen werde und wer nicht, so Kuck.

Als wichtige Kandidaten für diese Untersuchung betrachtet Kuck deshalb Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine lebensbedrohliche Tachykardie, zum Beispiel mit einer Ejektionsfraktion < 35 Prozent oder einer höheren Ejektionsfraktion in Kombination mit anderen Risikofaktoren. Außerdem bietet sich die Methode für Patienten mit Verdacht auf eine stressinduzierte Ischämie an, die ein Zehnjahresrisiko von mehr als 20 Prozent für ein kardiovaskuläres Ereignis haben.

Die Methode ist nicht invasiv, strahlenfrei und ohne Elektroden. Sie kann schnell und ohne Vorbereitung kontaktfrei am bekleideten Patienten eingesetzt werden. Deshalb ist sie auch beliebig oft wiederholbar. Die Untersuchung dauert nur zwei Minuten, die Auswertung eine Minute.
Die neueste Generation von MFI-Systemen deckt mit einem Sensorfeld von 28 Zentimetern Durchmesser nahezu den gesamten Thorax des Patienten ab. Der Stellenwert des MFI im Rahmen der kardiologischen Diagnostik wird derzeit in
einigen Zentren evaluiert
Dr. med. Angelika Bischoff

Pressegespräch „Blick hinter die Kulissen von MFI – eine neue Technologie auf ihrem Weg in die Klinik“, in Mannheim, Veranstalter: Biomagnetic Diagnostic Systems

Methodische Grundlagen
Im Gegensatz zu den elektrischen Signalen, die von der unterschiedlichen elektrischen Leitfähigkeit des Gewebes beeinflusst werden, verlassen die magnetischen Felder den Körper nahezu ungestört. Die magnetische Registrierung ist im Gegensatz zu den elektrischen Ableitungen referenzfrei und dadurch auch für die Ableitung niederfrequenter beziehungsweise magnetischer Gleichfelder besonders geeignet. Darüber hinaus können auch Magnetfelder von solchen Strömen, die elektrisch an der Körperoberfläche nicht ableitbar sind, magnetisch dennoch erfasst werden. Auf diese Weise können dementsprechend auch die herzinternen Wirbelströme aufgenommen und dargestellt werden, die
wesentliche Informationen für die Herzdiagnostik beinhalten.
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