ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2008Nutzen und Risiko des Mammografie-Screenings: Partizipative Entscheidungsfindung

MEDIZIN: Diskussion

Nutzen und Risiko des Mammografie-Screenings: Partizipative Entscheidungsfindung

Benefit and Risk of Mammography Screening – Considerations from an Epidemiological Viewpoint: Shared Decision-Making

Dtsch Arztebl 2008; 105(23): 420; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0420b

Abholz, Heinz-Harald

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LNSLNS Frauen fragen sich, was sie von Screeningteilnahme haben. International wird dies mit „Verhinderte Todesfälle bezogen auf Teilnehmerzahl“ beantwortet. Komisch ist daher, dass die Autoren Mühlhauser/Höldke unterstellen, sie würden künstliche Bezugsgrößen herstellen.

Sicherlich fragen Frauen auch, was ihre Therapiechance im Falle einer Tumorentdeckung sei. Die Autoren beantworten diese Frage: In 10 Jahren sterben am Mammakarzinom im Screening entdeckter 100 Erkrankter nicht 31, sondern 20 – also 11 weniger – abgerundet 1 Frau von 10 Erkrankten auf 10 Jahre weniger. Wer ist davon nicht beeindruckt?

Nur könnte man die von den Autoren bearbeitete Therapiefrage präziser beantworten – nämlich wenn der Befund vorliegt, weil das Stadium entscheidend für weitaus größere/kleinere Chancen ist.

Der Nutzen der Screeningteilnahme (nicht einer möglicherweise späteren Therapie) lässt sich aus Tabelle l bestimmen: Von 100 000 Frauen sterben an Mammakarzinom nicht 155 (Nicht-Teilnehmer), sondern 101 der Screeningteilnehmer in 10 Folgejahren – also 54/100 000 über 10 Jahre weniger. Abgerundet sind dies 1 von 2000 über 10 Jahre. Will da noch Jede teilnehmen?

In dieser Diskrepanz der Darstellung – international übliche versus Becker/Junkermann – steckt das gesamte Problem unseres Umgangs mit partizipativer Entscheidungsfindung.

Wollen wir dieses Konzept aus reiner „political correctness“ befreien, dann müssen wir den Frauen sagen, welchen individuellen Nutzen – und im Artikel zu Teilen ausgespart – auch Schaden sie mittels Screeningteilnahme zu erwarten haben. Auch um die Gefahr geringerer Teilnahmeraten.

Dass die Gesellschaft hohe Beteiligung wünscht, um hohen Public-health-Nutzen zu erreichen, ist eine andere, auch berechtigte Sache. Wir Ärzte müssen uns entscheiden, auf welcher Seite wir (eher) stehen.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0420b

Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz
Leiter der Abteilung für Allgemeinmedizin
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
E-Mail: Abholz@med.uni-duesseldorf.de

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