ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2008Nutzen und Risiko des Mammografie-Screenings: Randomisiert kontrollierte Studien gefordert

MEDIZIN: Diskussion

Nutzen und Risiko des Mammografie-Screenings: Randomisiert kontrollierte Studien gefordert

Benefit and Risk of Mammography Screening – Considerations from an Epidemiological Viewpoint: Randomized Controlled Trials Are Needed

Dtsch Arztebl 2008; 105(23): 421; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0421c

Mühlhauser, Ingrid

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LNSLNS Die Autoren versuchen darzulegen, warum die Bewertung des Mammografie-Screenings aus epidemiologischer Sicht und nicht aufgrund randomisiert kontrollierter Studien (RCTs) erfolgen sollte. Aber gerade weil dies nicht möglich ist, sind hierzu nach internationalem Standard RCTs gefordert. Und für das Mammografie-Screening gibt es RCTs sowie einen hochwertigen Cochrane Review von unabhängigen Autoren (1).

In epidemiologischen Analysen wird der Nutzen von Screening aus folgenden Gründen überschätzt (2):
1.) Personen, die am Screening teilnehmen, unterscheiden sich von Personen, die nicht teilnehmen. Sie sind von vornherein gesünder, kommen aus höheren Bildungsschichten und haben daher eine bessere Lebensprognose auch für die Erkrankung, auf die gescreent wird.
2.) Durch Screening werden eher gutartige, langsam wachsende Tumore diagnostiziert.
3.) Frühere Diagnose bedeutet oft nur Verlängerung der Lebenszeit mit Brustkrebs, aber nicht bessere Prognose.
4.) Mit Screening werden Brustkrebserkrankungen diagnostiziert, die ohne niemals aufgetreten wären (Überdiagnosen). Es ist daher obsolet, gescreente Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde, als Bezugsgröße und zum Vergleich zwischen Screening- und Nicht-Screeninggruppen zu benutzen. Es verwundert daher nicht, dass der Cochrane Review den Nutzen des Mammografiescreenings deutlich geringer und den Schaden deutlich höher bewertet als Becker und Junkermann (1, 3).
Die Autoren argumentieren, dass die Schadenshöhe durch Brustkrebs berücksichtigt werden sollte. In derartige Berechnungen müssten dann aber auch die Überdiagnosen mit einfließen sowie die Gesamtkrebssterblichkeit und die Gesamtmortalität. Diese verbessern sich durch Screening nicht (1, 3). Die schlechte Sensitivität des Mammografie-Screenings in den deutschen Pilotprojekten wird nicht erwähnt (3). Diese reduziert den Nutzen des Screenings. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0421c

Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser
Universität Hamburg
MIN Fakultät, Fachwissenschaft Gesundheit
Marthin-Luther-King Platz 6, 20146 Hamburg
E-Mail: ingrid_muehlhauser@uni-hamburg.de
1.
Gotzsche P, Nielsen M: Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. MEDLINE
2.
Sackett DL, Haynes RB, Guyett GH, Tugwell P: Clinical epidemiology. A basic science for clinical medicine. 2nd edition. Little, Brown and Company. Boston, Toronto, London 1991.
3.
Mühlhauser I: Ist Vorbeugen besser als Heilen? Dtsch Arztebl 2007; 104: A 1805–7. VOLLTEXT
1. Gotzsche P, Nielsen M: Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. MEDLINE
2. Sackett DL, Haynes RB, Guyett GH, Tugwell P: Clinical epidemiology. A basic science for clinical medicine. 2nd edition. Little, Brown and Company. Boston, Toronto, London 1991.
3. Mühlhauser I: Ist Vorbeugen besser als Heilen? Dtsch Arztebl 2007; 104: A 1805–7. VOLLTEXT

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