ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2008Wartezeiten: Einfach strukturiert
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Die „Studie“ des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie zum Thema Wartezeiten bei der Terminvergabe beim Facharzt hat zu einem beträchtlichen Medieninteresse geführt. Wenn man diese aber einmal näher betrachtet, so stellt man fest, dass es sich bei der knapp achtseitigen Arbeit um eine sehr einfach strukturierte Telefonumfrage mit fingierten Anrufern handelt, die in 189 Facharztpraxen nach einem Termin nachfragten. In keinem Fall handelte es sich um einen dringenden Fall, in keinem Fall wurde der Anrufer vom Praxispersonal nach seinem Versichertenstatus gefragt, er stellte sich jeweils selbst fingiert als Privatpatient oder gesetzlich versicherter Patient vor. Die Region, in der die Telefonaktion stattfand (Köln-Bonn-Leverkusen) ist in keiner Weise repräsentativ für das gesamte Bundesgebiet. In den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen sieht es mit Sicherheit anders aus. Es ist schon erstaunlich, wie eine primitive Telefonaktion zu einer wissenschaftlichen Studie hochstilisiert wird. Das wissenschaftliche Niveau der durchschnittlichen Facharbeit eines Abiturienten liegt deutlich über dem Niveau dieser Umfrage. Nicht zum ersten Mal versucht Prof. Lauterbach den ambulanten Sektor unseres Gesundheitswesens, vor allem im fachärztlichen Bereich, in einem möglichst schlechten Licht darzustellen. Sollten dabei vielleicht auch andere Interessen eine Rolle spielen? Schließlich ist Prof. Lauterbach im Aufsichtsrat und Beirat der Rhön-Klinik AG. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es wäre wünschenswert, wenn Lauterbach sich mit wichtigeren Aspekten unseres Gesundheitssystems beschäftigen würde, beispielsweise mit der chronischen Unterfinanzierung, den Auswirkungen der Budgetierung, der ausufernden Bürokratie oder den zunehmenden Ausgaben der Krankenkassen für sehr fragwürdige Projekte, wie z. B. der Etablierung von Callcentern, die Millionenbeträge aus Beitragsgeldern verschlingen.
Dr. med. Dietrich Schreyer,
Reichenbergerstraße 20, 92224 Amberg
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