ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2008Divertikulitis: Mesalazin unterstützt Entzündungshemmung

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Divertikulitis: Mesalazin unterstützt Entzündungshemmung

Dtsch Arztebl 2008; 105(23): A-1297

EB

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LNSLNS Bei schmerzhafter Divertikulitis ist eine Kombination aus einem Antibiotikum und Mesalazin vorteilhaft.

Die gängigen Therapiemaßnahmen der Divertikulitis – von der Nahrungskarenz bis hin zur Antibiotikatherapie und Operation – sind wissenschaftlich nicht in prospektiven Studien untersucht. Speziell bei leichteren Verlaufsformen sind nach Ansicht von Prof. Dr. med. Wolfgang Kruis (Köln) Analgetika, Spasmolytika und Mesalazin (zum Beispiel Salofalk®) ausreichend. Die Gabe von Antibiotika scheint nicht erforderlich zu sein.

Dies belegt eine retrospektive Untersuchung von 504 Patienten mit unkomplizierter Divertikulitis; 193 von ihnen erhielten ein Antibiotikum. Bei 311 Patienten wurde auf diese Maßnahme verzichtet, ohne dass es zu Problemen bei der Abheilung in der akuten Phase oder zu Hinweisen auf das raschere Auftreten eines Rezidivs gekommen wäre.

Auch bei Rezidiven sinnvoll
Bei der moderaten und schweren Divertikulitis wird auch bei unkomplizierter Verlaufsform eine stationäre Behandlung für notwendig erachtet. Es wird eine Nahrungskarenz angeordnet, die Versorgung erfolgt intravenös, und es wird mit Antibiotika behandelt. Treten wiederholt akute Entzündungsepisoden der Divertikel auf, so wird in aller Regel eine elektive Sigmaresektion erwogen. Die Zahl der abgelaufenen akuten Prozesse aber darf nach Aussage von Kruis nicht die alleinige Grundlage der Operationsindikation sein. Eine solche ist nur gegeben, wenn tatsächlich strukturelle Veränderungen als Folge der Divertikulitiden bestehen.

Ist das nicht der Fall, so kann primär versucht werden, durch allgemeine Maßnahmen – wie eine vermehrte körperliche Aktivität sowie durch ballaststoffreiche Kost – die Rezidivgefahr zu minimieren. Hilfreich seien möglicherweise auch Probiotika und gegebenenfalls eine zyklische Antibiotikagabe, so Kruis. Deutlich steigern lassen sich bei der rezidivierenden Divertikulitis die Wirkeffekte von Antibiotika wie Rifaximin*, wenn zusätzlich mit Mesalazin behandelt wird.

Das belegt eine Studie bei 218 Patienten, die ein Jahr lang entweder das Antibiotikum allein (Dosierung 400 mg zweimal täglich) oder in Kombination mit 800 mg Mesalazin zweimal täglich erhielten. Zu allen Untersuchungszeitpunkten war unter der Kombinationstherapie ein signifikant höherer Anteil der Patienten beschwerdefrei. Nach einem Jahr Therapie mit dem Antibiotikum und Mesalazin hatten 86 Prozent keine Beschwerden mehr im Vergleich zu 49 Prozent in der Kontrollgruppe.

Dass sich eine Behandlung mit Mesalazin bei Patienten mit wiederholten Divertikulitis-Episoden lohnt, belegt nach Kruis auch eine Studie bei 166 Patienten, bei der über den Verlauf von vier Jahren gezeigt wurde, dass unter der Einnahme von Mesalazin signifikant mehr Patienten in Remission bleiben als in der Kontrollgruppe.

Der Verdacht auf Divertikulitis lässt sich endoskopisch und mit Schnittbildtechniken erhärten. Dadurch können der Entzündungsgrad, bestehende Komplikationen (wie Eiterabfluss und Blutungen aus Divertikeln) oder auch Abszesse festgestellt werden. Kolonkontrasteinläufe sollten der Vergangenheit angehören. EB

* Rifaximin ist ein nicht resorbierbares Antibiotikum, das in Deutschland noch nicht auf dem Markt ist.
Quelle: Falk-Symposium 164, Intestinal Disorders, 2. bis 3. Mai 2008 in Budapest
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