ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2008Mikrotherapie: Eingriffe unter dem offenen Hochfeld-MRT

TECHNIK

Mikrotherapie: Eingriffe unter dem offenen Hochfeld-MRT

Dtsch Arztebl 2008; 105(23): A-1298

EB

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Eingriff am offenen Hochfeld-Magnetresonanztomografen in Magdeburg Foto: Universitätsklinikum Magdeburg
Eingriff am offenen Hochfeld-Magnetresonanztomografen in Magdeburg Foto: Universitätsklinikum Magdeburg
Das Spektrum der Behandlungsmethoden in der Onkologie hat sich in den letzten Jahren erheblich erweitert. Vielversprechend vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien erscheinen dabei lokale, minimal-invasive Therapieverfahren. Ein Beispiel dafür ist die interstitielle Brachytherapie, eine Strahlentherapie, bei der die Strahlenquelle im Inneren des Körpers platziert wird. Dabei bringt der Arzt unter permanenter Bildkontrolle feinste Werkzeuge in den Körper des Patienten ein und platziert diese direkt im Tumor, um diesen zu bestrahlen oder durch Hitzezufuhr zu veröden.

Das Universitätsklinikum Magdeburg erprobt nach eigenen Angaben erstmals weltweit im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts einen offenen Hochfeld-Magnetresonanztomografen (MRT) für diese Form der Krebstherapie. Der Tomograf, der mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla arbeitet und ohne eine geschlossene Röhre auskommt, ermöglicht den für die Eingriffe notwendigen Zugang zum Patienten.

Bislang führen Ärzte minimalinvasive Eingriffe vor allem mithilfe einer Sonografie oder Computertomografie (CT) durch. Beide Verfahren sind für die Mikrotherapie jedoch nicht optimal: So lassen sich Organe und andere Weichteile und die therapeutischen Effekte oftmals nicht mit der für die hochpräzisen Eingriffe notwendigen Bildqualität darstellen. Darüber hinaus sind Eingriffe mit dem CT mit einer Strahlenbelastung für Patienten und das medizinische Personal verbunden. Diese Nachteile lassen sich mit dem Hochfeld-MRT vermeiden: „Das Gerät ist ein Meilenstein für die Mikrotherapie: Durch seine offene Bauweise bietet es uns Ärzten den für die Eingriffe erforderlichen freien Zugang zum Patienten“, erläuterte Prof. Dr. med. Jens Ricke, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg, die Vorzüge. „Darüber hinaus stellt das neue System Weichteile in einer exzellenten Bildqualität dar und arbeitet ohne ionisierende Strahlung.“ Aufgrund des starken Magnetfelds können die Ärzte nur mit Operationswerkzeugen aus speziellem Material, wie Titanlegierungen, Keramik oder Kunststoff, arbeiten.

Am Universitätsklinikum wird die interstitielle Brachytherapie als Bestrahlung durch eine perkutan eingebrachte Strahlenquelle in Kapselform durchgeführt. Das Verfahren wird vor allem eingesetzt, um Metastasen zu veröden, die sich in Leber, Lunge oder Lymphknoten gebildet haben. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind die Behandlung von primären Leberzell-, Gallengangs- und Nierenzelltumoren. Die Therapie wird gemeinsam von der Klinik für Radiologie und der Klinik für Strahlentherapie durchgeführt. Zunächst legt der Radiologe unter lokaler Betäubung und Bildkontrolle Katheter an definierte Positionen im Tumor. Über diese schleust der Strahlentherapeut die mit radioaktivem Iridium192 beladenen Kapseln in den Körper ein. Nach der genauen Platzierung und Bestrahlungsplanung gibt das Iridium 192 für wenige Minuten eine hoch dosierte Strahlung an den Tumor ab. Durch die hohe Präzision der Bestrahlung wird umliegendes Gewebe weitgehend geschont.

Im Rahmen des Projekts, das die Klinik gemeinsam mit Philips, dem Hersteller des verwendeten MR-Scanners „Panorama“ gestartet hat, wollen die Ärzte nicht nur etablierte mikrotherapeutische Verfahren an dem Gerät durchführen, sondern auch neue Verfahren vorantreiben. Wichtig ist dabei ein interdisziplinärer Ansatz: Mikrotherapeutische Eingriffe seien immer Teil eines ganzheitlichen, fächerübergreifenden Therapiekonzepts, mit dem für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan umgesetzt werde, betonte Ricke. EB
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