ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2008Arzneimittel: Verordnen ohne Angst

POLITIK

Arzneimittel: Verordnen ohne Angst

PP 7, Ausgabe Juni 2008, Seite 253

Korzilius, Heike

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Ernste Worte zur ärztlichen Verantwortung bei Arzneimittelverordnungen fandKBV-Vorstandsmitglied Carl-Heinz Müller.
Ernste Worte zur ärztlichen Verantwortung bei Arzneimittelverordnungen fand
KBV-Vorstandsmitglied Carl-Heinz Müller.
Der Wettbewerb droht nicht nur die ambulante Versorgung zu zersplittern. Er hat auch für zusätzliche Unübersichtlichkeit im ohnehin dicht regulierten Arzneimittelmarkt gesorgt. „Die Entwicklung der Gesetzgebung der letzten zehn Jahre zeigt, dass immer mehr Marktteilnehmern Steuerungsverantwortung für die Arzneimittel übertragen wurde“, sagte KBV-Vorstand Dr. med. Carl-Heinz Müller. Insbesondere die Rabattverträge zwischen Pharmaunternehmen und Krankenkassen sorgten für Rechtsunsicherheit. Analysen zeigen Müller zufolge, dass die Vertragsärzte inzwischen nur noch 30 Prozent der Arzneimittelkosten verantworten. Den Rest steuerten bereits heute die Kassen, Pharmafirmen und die Apotheker. „Und trotzdem haften wir für die Arzneimittelausgaben“, kritisierte der KBV-Vorstand. „Auch hier zeigt sich: Der Wettbwerb im Gesundheitswesen wurde planlos und unkoordiniert eingeführt.“ Müller forderte deshalb eine Teilung der Verantwortung. Ärztinnen und Ärzte stellten die Indikation und verordneten den entsprechenden Wirkstoff in der angemessenen Dosierung, während die Krankenkassen und die pharmazeutische Industrie die Verantwortung für die Preise übernähmen. Außerdem forderte Müller gleiche Verordnungsgrundlagen für den ambulanten und den stationären Bereich. „Solange diese nicht gesetzlich verankert sind, wird das Problem der Entlassmedikation nicht gelöst.“ Dann würden die Patienten in den Krankenhäusern weiterhin in vielen Fällen ohne Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit auf Medikamente eingestellt. Gestärkt werden müsse auch die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten. „Wir wissen, dass jährlich Medikamente im Wert von Millionen Euro im Abfalleimer landen. Das muss unbedingt reduziert werden“, sagte Müller. Eine sozial abgefederte, aber spürbare finanzielle Beteiligung der Patienten sei deshalb wichtig. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung stimmte einem entsprechenden Antrag des Vorstands einstimmig zu, dieses Konzept politisch umzusetzen. Heike Korzilius
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