ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Sehscreening im Vorschulalter: Einführung nicht gerechtfertigt

MEDIZINREPORT

Sehscreening im Vorschulalter: Einführung nicht gerechtfertigt

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Früherkennungsuntersuchungen von Sehstörungen bei Kindern unter sechs Jahren hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt eine Absage erteilt. Derzeit sei unklar, ob die Häufigkeit oder der Schweregrad von Sehschwächen in der Bevölkerung abnehme, wenn man alle Kinder dieser Altersklasse einer speziellen Augenuntersuchung unterziehe, heißt es in dem am 2. Juni veröffentlichten Abschlussbericht. Zum einen ließen die wenigen bislang verfügbaren Studien keine belastbaren Aussagen zum Nutzen zu, zum anderen werde ein möglicher Schaden kaum untersucht.

Nach Einschätzung des IQWiG können die vorhandenen Tests nicht ausreichend zuverlässig diejenigen Kinder erkennen, die trotz einer tatsächlich vorliegenden Sehstörung gar nicht behandlungsbedürftig sind. Diese Unschärfe der Tests und die möglicherweise daraus folgenden „Übertherapien“ erscheinen umso problematischer, je jünger die Kinder bei der Untersuchung sind. Das IQWiG empfiehlt, weitere Studien durchzuführen.

Die augenärztlichen Verbände appellieren an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), diesen Bericht zurückzuweisen und für seine weiteren Beratungen nicht zu verwenden. „Es besteht die Gefahr, dass aufgrund dieses Berichts behandlungsbedürftige Kinder zu spät oder überhaupt nicht behandelt werden und deswegen nie die volle Sehkraft erreichen werden“, so Prof. Dr. med. Bernd Bertram, erster Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands. „Der Bericht des IQWiG zum Sehscreening ist ein Skandal.“ zyl

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote