ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Mammografie: Vorwürfe sind nicht haltbar
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Mit großem Unverständnis haben wir den Artikel über das Mammografie-Screening zur Kenntnis genommen. Einseitig und falsch wird in diesem Artikel über das Mammografie-Screening geschrieben. Zudem wurde für das Thema eine Autorin gewählt, die zugleich Vorstandsmitglied von „mamazone e.V.“ ist, einer Selbsthilfegruppe, die im Thema Brustkrebs involviert ist. Das wurde jedoch nicht erwähnt und entspricht nicht einer seriösen und unabhängigen Berichterstattung.

Das Mammografie-Screening in Deutschland ist nach europäischen Leitlinien mit höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards auf den Weg gebracht worden. Vor diesem Hintergrund sind die im Artikel erhobenen Vorwürfe unhaltbar und nicht nachvollziehbar. Fakt ist: Eine Mammografie bei symptomlosen Frauen ohne Risikofaktoren darf nur innerhalb des Screening-Programms durchgeführt werden. Anderes war und ist aufgrund des Strahlenschutzes widerrechtlich. Nur unter der Bedingung hoher Qualitätsvoraussetzungen, die für das Screening-Programm gefordert und überprüft werden, ist die Röntgenverordnung 2003 geändert worden. Diese Qualitätssicherung ist einer der großen Schritte in der Früherkennung und im Interesse der Frauen. Die Äußerungen von Frau Prof. Kuhl, durch diese Regelung würden hervorragende Versorgungsstrukturen zerschlagen, sind unverantwortlich gegenüber jeder Frau, die am Screening teilnimmt und dem Programm vertraut. Grundlos werden Frauen so verunsichert.

Die Mammografie ist zurzeit die einzige bevölkerungsbezogene Untersuchungsmethode, die bisher die Voraussetzungen für eine Früherkennungsuntersuchung von Brustkrebs bei symptomlosen Frauen erfüllen kann. Andere Methoden sind für den ersten Schritt in der Screening-Kette als alleinige Untersuchung nicht geeignet und werden auch international in keinem anderen Land so eingesetzt. Selbstverständlich erhalten die Frauen im Screening bei einem auffälligen Befund in der Mammografie eine umfassende medizinische Versorgung, die auch das gesamte Spektrum der Diagnostik, wie etwa die Sonografie oder Magnetresonanztomografie (MRT), umfasst.

Alle 94 Screening-Einheiten wurden öffentlich und transparent ausgeschrieben. An diesen Ausschreibungen konnten, anders als im Bericht behauptet, selbstverständlich alle qualifizierten Leistungserbringer teilnehmen, also auch Krankenhäuser und Brustzentren. In Mecklenburg-Vorpommern ist z. B. ein Großteil der Screening-Einheiten an Krankenhäusern angesiedelt. Die fachlichen Anforderungen an die programmverantwortlichen Ärzte vor Ort sind so hoch, dass für diese Aufgaben nur Ärzte infrage kommen, die jahrelange Erfahrung im Bereich der Mammadiagnostik nachweisen können. Bevor sie ihre Aufgabe übernehmen, werden sie in zahlreichen Fortbildungen speziell vorbereitet und ihre Arbeit im Screening-Programm wird laufend überprüft. Sie müssen jedes Jahr Mammografien von mindestens 5 000 Frauen beurteilen und eine Fallsammlungsprüfung bestehen. Das ist eine Qualitätssicherung, die Vorbild sein kann für andere Gebiete der Medizin. Radiologen in der universitären Ausbildung sind herzlich eingeladen, mit uns zu kooperieren. Sektorenübergreifendes Arbeiten ist für die Ärzte im Screening-Programm eine Selbstverständlichkeit: Wöchentlich finden verpflichtende interdisziplinäre Fallkonferenzen statt, zu denen sich Radiologen, Gynäkologen, Pathologen und Operateure treffen.

Das deutsche Mammografie-Screening-Programm entspricht auch im internationalen Vergleich höchsten Maßstäben. Auf dem Screening-Kongress in Berlin hat das deutsche Programm viel Anerkennung von internationalen Experten erhalten. Das Screening-Programm hat Standards in Deutschland gesetzt, und hier liegt die Zukunft. Kritiker, die destruktiv von einer „staatlich sanktionierten Kartellbildung“ oder einer „Einheitsversorgung auf Mindestniveau“ sprechen, stellen sich damit gegen ein transparentes und qualitätsgesichertes Gesundheitssystem . . .
Jan Sebastian Graebe-Adelssen, Geschäftsführer der Kooperationsgemeinschaft Mammografie,
Hermann-Heinrich-Gossen-Straße 3, 50858 Köln

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