ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Ausstellung: „Sex brennt“

KULTUR

Ausstellung: „Sex brennt“

Dtsch Arztebl 2008; 105(24): A-1341 / B-1157 / C-1133

Richter-Kuhlmann, Eva

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Magnus Hirschfeld vor den Regalen der Institutsbibliothek
Magnus Hirschfeld vor den Regalen der Institutsbibliothek
Anlässlich des 75. Jahrestages der Bücherverbren-nung durch die Nazis will eine Ausstellung das Lebenswerk des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld dem breiten Publikum zugänglich machen.

Als sittenwidrig bezeichneten die Nationalsozialisten Magnus Hirschfelds Arbeiten und plünderten im Mai 1933 sein Institut. Heute stehen Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft sowie sein Lebenswerk im Mittelpunkt der Ausstellung „Sex brennt“ des Medizinhistorischen Museums der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Anlass der Ausstellung ist der 75. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai in Berlin, zu der die Zerstörung des Instituts von Hirschfeld den Auftakt bildete.

Magnus Hirschfeld (1868–1935) ist eine Schlüsselfigur der gesellschaftlichen Modernisierung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sein 1919 in Berlin-Tiergarten gegründetes, weltweit einzigartiges Institut für Sexualwissenschaft war das sexualpolitische Zentrum der Weimarer Republik und wurde von den Nazis frühzeitig als sittenwidrig gebrandmarkt, geplündert und geschlossen. „Bei Magnus Hirschfeld wird ausgeräumt“, titelte am 6. Mai 1933 die damalige Tagespresse. Schließlich schwankte während des Aufmarschs zur Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz am 10. Mai 1933 „der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds [. . .] auf einer langen Stange [. . .] hoch über der stummen Menschenmenge“, schrieb der Augenzeuge Erich Kästner, dessen Bücher ebenfalls verbrannt wurden. Unter dem Feuerspruch „gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens“ warfen die Nazis Hirschfelds Werke gemeinsam mit denen Sigmund Freuds in die Flammen.

Die Institutsbibliothek nach der Plünderung am 6. Mai 1933 Fotos: Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Die Institutsbibliothek nach der Plünderung am 6. Mai 1933 Fotos: Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Eine hundert Meter lange Wand aus Karton
Die Ausstellung „Sex brennt – Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und die Bücherverbrennung“ verfolgt ein Konzept, das künstlerische und didaktische Darstellungen verknüpft. In fünf, jeweils eigenständigen künstlerischen Arbeiten setzen sich sieben international renommierte Künstler (Arnold Dreyblatt, New York, Pauline Boudry und Renate Lorenz, Lausanne und Berlin, Henrik Olesen, Kopenhagen, Ulrike Ottinger, Berlin, sowie Eran Schaerf und Eva Meyer, Tel Aviv und Berlin) mit Aspekten von Hirschfelds Werk, seiner Person und der Bücherverbrennung auseinander. Bildmaterial, Objekte und Bücher aus dem Institut und aus Hirschfelds Besitz ergänzen die Ausstellung. Den Hintergrund für die Exponate bildet eine einzige, hundert Meter lange Wand aus Karton. Sie enthält Nischen und Vitrinen sowie die fünf Räume für die künstlerischen Beiträge. Die Ausstellung „Sex brennt“ ist bis zum 14. September im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, zu sehen.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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