ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Internationale Schulen in der Schweiz: In den Bergen ein eigenes Chalet

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Internationale Schulen in der Schweiz: In den Bergen ein eigenes Chalet

Dtsch Arztebl 2008; 105(24): A-1347 / B-1165

Bühring, Petra

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„Les Dents du Midi“ – diese Bergkette der Alpen können die Schüler des Collège Alpin Beau Soleil jeden Morgen erblicken. Foto: Collège Alpin Beau Soleil
„Les Dents du Midi“ – diese Bergkette der Alpen können die Schüler des Collège Alpin Beau Soleil jeden Morgen erblicken. Foto: Collège Alpin Beau Soleil
Internationale Schulen und Internate haben in der Schweiz Tradition. Das Collège du Léman und das Collège Alpin Beau Soleil werben mit exklusiver Lage und kultureller Vielfalt.

Der Genfer See heißt im französischsprachigen Teil der Schweiz nicht Genfer See, sondern Lac du Léman. Entsprechend wurde die Internationale Schule benannt, die unweit vom Genfer Zentrum in dem idyllischen Örtchen Vervoix liegt: Collège du Léman. Aus den bodentiefen Fenstern der im dritten Stock des Gymnasiums gelegenen Aula ist die Bergkette um den Mont Blanc klar zu erkennen.

1960 wurde die Schule, die bereits Dreijährige in den Kindergarten aufnimmt, in privater Initiative gegründet; vornehmlich für die Kinder von Diplomaten und Geschäftsleuten. In der 500 000 Einwohner zählenden Stadt besitzen knapp die Hälfte einen ausländischen Pass. Viele dieser Familien sind aufgrund der häufigen Ortswechsel daran interessiert, ihre Kinder nicht in der jeweiligen Landessprache unterrichten zu lassen, sondern in englisch. Der Vorteil einer Internationalen Schule: „Man wird vertraut mit anderen Kulturen“, sagt Schulleiterin Marilyn Brown. 120 verschiedene Nationalitäten hat das Collège du Léman zurzeit zu bieten: 1 900 Schüler lernen im Kindergarten, in der Grundschule und im Gymnasium zusammen. Für Brown gehört der Kulturenmix zum Konzept der Schule. Sie sagt neuen Schülern gleich zu Anfang: „Du bist nicht anders, weil alle anders sind.“

Für rund 300 Jugendliche ab zwölf Jahren bietet das Collège du Léman auch Plätze im Internat an. Die funktional eingerichteten Zimmer werden immer zu zweit bewohnt. Für die einzelzimmerverwöhnten Kids aus wohlhabenden Familien sei es nur förderlich, sich mit einem Gleichaltrigen arrangieren zu müssen, sagt Hausvater Peter Keller. Die Kosten für Schule und Internat bewegen sich um die 38 000 Euro jährlich.

Dafür werden den Schülern kleine Klassen geboten: 18 bis 20 Schüler sind der Durchschnitt im Gymnasium. Weniger gingen zulasten der Klassendynamik, erklärt Brown: „Es diskutiert sich nicht mehr so gut.“ Die Unterrichtsräume sind auf dem neuesten technischen Stand. Großen Wert legt die Schule auf die musikalische Bildung. Jeder Schüler wird ermutigt, mindestens ein Instrument zu lernen. Orchester, Chöre und auch Rockbands geben ständig Proben ihres Könnens.

Nach zwölf Jahren endet der englischsprachige Zweig mit dem International Baccalaureat (IB), dem Eintrittszeugnis für alle Universitäten im angloamerikanischen Raum. Die Internationale Schule bietet aber auch einen französischsprachigen Zweig an, den rund 40 Prozent der Schüler wählen. Dieser endet mit dem Baccalauréat français oder der Maturité fédérale suisse – die Eintrittskarte für die französischen und einen Teil der Schweizer Universitäten.

Liegt das Collège du Léman nur eine gute Dreiviertelstunde von den großen Skigebieten in den französischen Alpen entfernt, so befindet sich das Collège Alpin Beau Soleil mittendrin. Eine Stunde von Genf entfernt, in dem kleinen Bergdorf Villars auf 1 300 Metern Höhe, mit Blick auf die Bergkette „Les Dents du Midi“, liegt eine der exklusivsten internationalen Schulen der Schweiz. Beau Soleil ist mit 180 Schülern im Gymnasium deutlich kleiner als das Collège am Genfer See. Hier besuchen alle Schüler das Internat. „Auf einen freien Platz haben wir sechs Bewerber“, berichtet Direktor Philippe Rochat. Es bewerben sich deutlich mehr Jungen als Mädchen; Letztere sind mit einem Drittel in der Minderzahl. Rochat erklärt dies auch mit den Sportmöglichkeiten der Schule, die Jungen offenbar attraktiver erscheinen: „Im Winter vergibt der Skilehrer die Sportnote.“ Dreimal in der Woche geht es auf die Piste: Abfahrtsski, Snowboarden, Langlauf. Die Privatschule unterhält eigens für die Schüler ein kleines Chalet in den Bergen, das bei Wochenendausflügen auf Skiern auch für Übernachtungen genutzt wird. Im Sommer bestimmen Klettern, Mountainbiking, Fußball, Basketball und Schwimmen das Programm. Für alle Sportarten besitzen die Schüler eine einheitliche Sportkleidung, die sie als Internatsschüler ausweist – und auch sonst ist Schuluniform Pflicht. Einmal im Jahr haben die Schüler sogar die Möglichkeit zu einer Expedition auf den Kilimandscharo. Soviel Exklusivität hat ihren Preis: Inklusive aller Nebenkosten zahlen die Eltern rund 60 000 Euro im Jahr für die Bildung ihrer Kinder: „Unternehmer und Industrielle aus derzeit 40 verschiedenen Ländern“, teilt Rochat mit.

Neben dem hohen akademischen Anspruch legt Schulleiter Philippe Rochat vor allem Wert auf eine „sichere familiäre Umgebung“. Diese ist sichergestellt durch das 1 000 Seelen zählende Bergdorf Villars. Darin eingebettet liegt der Campus der Schule. Dreimal im Jahr dürfen die Schüler der Idylle den Rücken kehren. Jeweils zu Beginn der Ferien werden sie zum Genfer Flughafen gebracht, um von dort in ihre Heimatländer zu fliegen – oder eben dorthin, wo die Eltern sich gerade aufhalten.
Petra Bühring

Collège du Léman,
E-Mail: info@cdl.ch, www.cdl.ch
Collège Alpin Beau Soleil,
E-Mail: info@beausoleil.ch, www.beausoleil.ch
Internet: www.swisslearning.com
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