ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Chronische Hepatitis B: Seltener Resistenzen unter Therapie mit Nukleosidanalogon

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Chronische Hepatitis B: Seltener Resistenzen unter Therapie mit Nukleosidanalogon

Dtsch Arztebl 2008; 105(24): A-1349

Warpakowski, Andrea

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LNSLNS Die Fünfjahresresistenzdaten des oralen Virostatikums Entecavir liegen jetzt vor.

D ie therapeutischen Möglichkeiten der chronischen Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Neben den Alpha-Interferonen stehen jetzt auch mehrere antiviral wirkende Nukleosid- beziehungsweise Nukleotidanaloga zur Verfügung, die über die Hemmung der HBV-Polymerase die Vermehrung der Viren blockieren. Primäres Ziel der Therapie bei chronischer HBV ist eine maximale Reduktion der Virusmenge.

Für eine langfristige Kontrolle der Infektion benötigt die Mehrzahl der Patienten mit chronischer Hepatitis B eine antivirale Langzeittherapie über mehrere Jahre. Das Problem dabei: Wegen persistierender Virusreplikation können sich Resistenzen entwickeln, die zum Therapieversagen führen.

Langfristig überwacht
Die verfügbaren antiviralen Substanzen unterscheiden sich in ihrer antiviralen Aktivität und ihrem Resistenzprofil. Das Nukleosidanalogon Entecavir (Baraclude®) zeichnet sich nach den Worten von Helen Smith (New York/USA) durch eine hohe antivirale Potenz und hohe genetische Resistenzbarriere aus. So wurde in einem langfristigen Programm die Resistenzentwicklung von Entecavir in verschiedenen Studien fünf Jahre lang überwacht.

Basis einer aktuellen Auswertung sind sechs Studien der Phase III, in denen mehr als 700 Patienten Entecavir erhielten. Zum Zeitpunkt der Analyse waren von den 663 HBeAg-positiven und HBeAg-negativen, zuvor nicht mit einem Nukleosidanalogon vorbehandelten Patienten, 108 bereits fünf Jahre lang mit Entecavir behandelt worden: Die kumulative Resistenzrate betrug 1,2 Prozent; im dritten und vierten Behandlungsjahr entwickelten sich keine resistenten Viren mehr (Tenney et al., APASL 2008; Abstract PL02). Bei 0,8 Prozent der Patienten mit resistenten Viren kam es zu einem virologischen Durchbruch. Bei den Patienten, die bereits mit dem Nukleosidanalogon Lamivudin vorbehandelt waren und deren Viren bereits Resistenzen dagegen entwickelt hatten, stieg die Resistenzrate unter Entecavir von sechs Prozent im ersten Jahr auf 51 Prozent im fünften Jahr.

Eine Auswertung von 200 japanischen, bisher nicht behandelten Patienten mit chronischer Hepatitis B bestätigte die geringe Resistenzrate unter Entecavir: Nach drei Jahren Therapie hatten 1,7 Prozent der Patienten resistente Viren (Yokusuka O et al., APASL 2008; Abstract FP067). Für den Hepatologen Masao Omata (Tokio/Japan) ist die geringe Resistenzrate von Entecavir vor allem auch für Patienten in Asien wichtig: Dort leben die meisten Patienten mit einer chronischen Hepatitis B; die Infektion schreitet wegen der dort meist perinatalen Transmission sehr viel früher und schneller fort als bei Personen, die sich als Jugendliche oder Erwachsene infiziert haben. Mit einem Medikament, das lange wirksam bleibe, könne früher mit der Therapie begonnen und Spätfolgen könnten länger aufgehalten werden, sagte Omata.

Entecavir wird einmal täglich eingenommen. Die Dosis richtet sich danach, ob der Patient im Vorfeld bereits wegen chronischer Hepatitis B mit einem Arzneimittel derselben Gruppe (Nukleosidanalogon, wie zum Beispiel Lamivudin) behandelt worden ist. Patienten, die zuvor noch nicht mit einem Nukleosidanalogon behandelt wurden, erhalten eine Dosis von 0,5 mg, während die Dosierung von 1 mg bei Patienten angewendet wird, die zuvor Lamivudin erhalten haben, nun aber auf Lamivudin nicht mehr ansprechen. Die 0,5-mg-Dosis kann zum Essen oder unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die 1-mg-Dosis muss hingegen mindestens zwei Stunden vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Die Dosierung ist bei Niereninsuffizienz entsprechend anzupassen. Die Behandlungsdauer hängt davon ab, wie der Patient auf die Behandlung anspricht.
Andrea Warpakowski

Symposium „Treatment paradigms in Hepatitis B:
A time to reflect“ anlässlich der 18th Conference of the Asian Pacific Association of the Study of the Liver in Seoul/Korea, Veranstalter: Bristol-Myers-Squibb
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