ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2008Brustkorrektur ist Privatsache

RECHTSREPORT

Brustkorrektur ist Privatsache

Dtsch Arztebl 2008; 105(24): A-1355 / B-1171 / C-1139

Berner, Barbara

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LNSLNS Eine asymmetrische Brust ist keine Krankheit im Sinne der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Nach Auffassung des Bundessozialgerichts (BSG) kommt nicht jeder körperlichen Unregelmäßigkeit ein Krankheitswert im Rechtssinne zu. Erforderlich ist, dass ein Versicherter in seinen Körperfunktionen beeinträchtigt ist oder dass eine Abweichung entstellend wirkt.

Im entschiedenen Fall hatte sich bei der Klägerin die linke Brust größer ausgebildet als die rechte. Die beklagte Krankenkasse gewährte deshalb der damals 15-Jährigen Brustprothesen für den BH und den Badeanzug. Eine hormonelle Behandlung blieb ohne Erfolg. Die Übernahme der Kosten einer Korrekturoperation, die die Klägerin vornehmen ließ, lehnte die Kasse ab.

Auch nach Auffassung des BSG hat die Klägerin keinen Anspruch auf Kostenerstattung. Die Asymmetrie der Brüste bewirke keine äußerliche Entstellung, die eine Korrekturoperation hätte begründen können. Denn nicht jede körperliche Abnormalität sei eine Entstellung. Vielmehr müsse es sich objektiv um eine erhebliche Auffälligkeit handeln, die Reaktionen der Mitmenschen wie Neugier oder Betroffenheit erwarten lasse – und damit zugleich, dass jemand ständig derart viele Blicke auf sich zieht, dass letztlich seine Teilhabe an der Gesellschaft gefährdet ist.

Bei der Klägerin hingegen konnte die Asymmetrie der Brüste durch Prothesen kaschiert werden. Auch ihre psychische Belastung rechtfertigt nach Ansicht des BSG keinen operativen Eingriff auf Kosten der GKV. Operationen am – krankenversicherungsrechtlich gesehen – gesunden Körper, die psychische Leiden beeinflussen sollen, sind nicht als Behandlung im Sinne von § 27 Absatz 1 SGB V zu werten, sondern vielmehr der Eigenverantwortlichkeit der Versicherten zuzuweisen. (Urteil vom 28. Februar 2008, Az.: B 1 KR 19/07 R) RA Barbara Berner
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