ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2008Stopper der Bildung von Alzheimer-Plaques

AKTUELL: Akut

Stopper der Bildung von Alzheimer-Plaques

Dtsch Arztebl 2008; 105(25): A-1362 / B-1178 / C-1146

Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS In Deutschland leben circa 1,1 Millionen Demenzpatienten, davon sind Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel an Morbus Alzheimer erkrankt. Mit steigender Lebenserwartung dürfte die Zahl der Neuerkrankungen weiter zunehmen: 2,6 Millionen Demenzkranke könnten es im Jahr 2050 werden.

Therapeutische Optionen sind Acetylcholinesterasehemmer und NMDA-Rezeptor-Antagonisten, Medikamente, die jedoch die krankheitsauslösenden Prozesse im Gehirn weder aufhalten, noch verhindern: die Bildung der Amyloidplaques, die hauptsächlich aus Amyloidbeta-Peptiden (Ab) bestehen, und der neurofibrillären Bündel, Ablagerungen von Mikrotubulin-assoziierten Tau-Proteinen. Zu den Hoffnungsträgern für eine kausale Therapie gehören nicht steroidale, antiinflammatorisch wirkende Substanzen (NSAIDs). Sie könnten, so eine Hypothese, den mit den Proteinablagerungen assoziierten Entzündungsprozess im Gehirn unterdrücken. Ein internationales Forscherteam unter Federführung von Thomas L. Kukar und Todd E. Golde (Mayo Clinic in Jacksonville, Florida/USA) hat herausgefunden, wie das NSAID Tarenflurbil wirkt (Nature 2008, 453, 925–9). Es wird von Myriad Genetics in der Phase-III gegen Alzheimer entwickelt.

Verändertes Schnittmuster
Das Überraschende: Tarenflurbil, das die Bildung von Ab reduziert, indem es die Spaltung des Vorläuferproteins APP (Amyloid Precursor Protein) durch das Enzym g-Sekretase hemmt, bindet nicht an das Enzym selbst, sondern an dessen Substrat, das APP. Diese ungewöhnliche Substratanbindung verändert das Schnittmuster des Enzyms und führt zu einer verminderten Freisetzung des stark zur Aggregatbildung neigenden Ab42-Peptids. „Das könnte eine Erklärung für die direkten Effekte von Tarenflurbil sein, eine gute Basis, um Medikamente mit dieser Zielstruktur vielleicht noch effektiver machen zu können“, sagte Dr. Stefanie Baumann (Institut für Chemie und Biochemie der TU-Darmstadt) dem Deutschen Ärzteblatt. Prof. Dr. rer. nat. Boris Schmidt (Leiter des Instituts) war an der Studie beteiligt.

Im April dieses Jahres waren auf dem US-amerikanischen Neurologenkongress in Chicago die Ergebnisse einer Phase-II-Studie nach 24 Monaten Therapie mit Tarenflurbil (n = 207) vorgestellt worden. Bei leichter Erkrankung besserten sich kognitive Leistungen und Alltagsfähigkeiten im Vergleich zu Placebo, nicht aber bei Patienten mit fortgeschrittenen Stadien. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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