ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2008David Nash: Freuden und Nöte der Natur

KULTUR

David Nash: Freuden und Nöte der Natur

Dtsch Arztebl 2008; 105(25): A-1397 / B-1209 / C-1177

Krannich, Stephanie

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Oben: David Nash, Multicut Column (Detail), 2000. Foto: Courtesy Galerie Scheffel & Kunstler/Julia Schwager
Oben: David Nash, Multicut Column (Detail), 2000. Foto: Courtesy Galerie Scheffel & Kunstler/Julia Schwager
Die Kunsthalle Emden präsentiert zurzeit rund 50 Wand- und Bodenarbeiten, Reliefs und monumentale Skulpturen des britischen Holzbildhauers.

Ich will eine einfache Art des Lebens und Tuns. Ich will ein Leben und ein Werk, in dem sich die Ausgeglichenheit und Dauerhaftigkeit der Natur zeigen. Durch die Identifikation mit dem Zeitcharakter und der Energie des Baums und mit seiner Sterblichkeit. Ich fühle mich immer weiter in die Freuden und Nöte der Natur hineingezogen. Abgelebt und wieder aufgerichtet, abgerissen und wieder zusammengeführt; ein schlummernder Glaube, der durch einen neuen Spross aus altem Holz wieder ins Leben gerufen wird.“* So das Bekenntnis des britischen Holzbildhauers und Land-Art-Protagonisten David Nash. Die Kunsthalle Emden präsentiert derzeit seine erste große Retrospektive in Deutschland mit rund 50 Wand- und Bodenarbeiten, Reliefs und monumentalen Skulpturen verschiedener Schaffensperioden aus vier Jahrzehnten. Neben noch nie ausgestellten frühen Werken sind auch einige seiner neuesten, eigens für die Ausstellung in Emden geschaffenen Arbeiten zu sehen.

Nash, 1945 im südenglischen Surrey geboren, lebt und arbeitet seit 1967 in Blaenau Ffestiniog, einer Kleinstadt in der urwüchsigen, rauen Berglandschaft von Nord-Wales. Dort, in der Abgeschiedenheit, kann er sich, frei von Kunstströmungen und -geschehnissen in den Städten, ganz auf seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Natur, ihrem Entstehen, Werden und Vergehen konzentrieren, sich immer wieder zu neuen Formfindungen inspirieren lassen. Dabei entstehen nicht nur beeindruckende, oft monumentale Einzelskulpturen, sondern auch Arbeiten in der Landschaft, die sich, über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte ständigen Witterungseinflüssen der Natur ausgesetzt, verändern. Sein bevorzugtes Material ist Holz unterschiedlichster Art: meist umgestürzte Bäume (aus aller Welt), aber auch aufgelesene Hölzer, wie etwa Latten, Bretter, Balken und Blöcke, zum Beispiel von Abrissplätzen. Diese bearbeitet er mit den verschiedensten Werkzeugen, vornehmlich mit Sägen und Äxten. Nash benutzt aber auch Kettensägen, die völlig andere Gestaltungsmöglichkeiten vor allem bei großformatigen Baumskulpturen zulassen. Die Individualität des natürlichen Werkstoffs Holz findet besondere Berücksichtigung, ist Vorgabe und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten. Spezielle Wirkungen erzielt Nash durch eine teilweise oder komplette Verkohlung des Holzes, durch Farbgestaltung mit Pigmenten oder in Kombination mit Metallen. Sein vielseitiges bildhauerisches Werk steckt voller Symbole und Metaphern.

Das natürliche Material Holz sowie allgemeinverständliche, geometrische Formen (Kugel, Kubus, Pyramide), Naturformen (Ei, Spirale) oder auch Archetypen (Boot, Thron, Kreuz) gewähren dem Betrachter einen direkten Zugang zu seinen Werken, machen so den Zusammenhang von Natur und Kunst erlebbar. Sowohl in den kleinen, teils fragilen, als auch in den großformatigen Skulpturen nutzt er die Eigenschaften des Materials Holz bis zur Grenze des technisch Realisierbaren: Aus massiven Stämmen erarbeitet Nash zum Beispiel dynamische Spiralen oder verwandelt schwere Blöcke zu filigranen Objekten.

David Nash prägte die Bildhauerkunst insbesondere Großbritanniens nachhaltig; seine Werke zählen zu den „Klassikern“ zeitgenössischer Skulptur. Zahlreiche Einzelausstellungen in Europa, den Vereinigten Staaten und Ostasien machten ihn international bekannt. Werke im öffentlichen Raum befinden sich in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten.
Dr. med. Stephanie Krannich

*Zitat aus dem Ausstellungskatalog „David Nash“, mit einer Einführung von Norbert Lynton, Edition Scheffel, 168 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen (Museumspreis: 25 Euro).

Die „David Nash-Retrospektive“ ist bis zum 22. Juni in der Kunsthalle Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo), Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags 10 bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags 10 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon 0 49 21/ 9 75 00 oder im Internet unter www.kunsthalle-emden.de.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige