ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2008Börsebius: Russische Einkaufstour

GELDANLAGE

Börsebius: Russische Einkaufstour

Dtsch Arztebl 2008; 105(25): A-1403 / B-1211 / C-1179

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Fußballfans haben es längst verstanden. Die Russen sind wieder wer, und wie. Der Auftritt der Sankt Petersburger in der europäischen Liga hat eindrucksvoll gezeigt, was die Stunde geschlagen hat. Das Konzept ist vergleichsweise einfach, dies hat der Multimilliardär Roman Abramowitsch schon beim FC Chelsea vorexerziert, es lautet schlicht, hast du richtig viel Geld, kannst du auch die passenden Kicker zusammenkaufen. So kann es denn auch niemand erstaunen, dass russische Unternehmen und Privatpersonen auch anderweitig auf Einkaufstour gehen, es sich längst auf die Fahnen geschrieben haben, Firmen zu kaufen, in der Welt sowieso, in Europa speziell, aber erst recht in Deutschland erwerben, was Rang und Namen hat.

Aber ein Knüller ist die jüngste Nachricht, oder war es mehr ein Gerücht, ein gewisser Sulejman Kerimow erwäge, seinen Anteil bei der Deutschen Bank aufzustocken. Darüber hinaus habe der vielfache Milliardär die Absicht, sich so nebenbei an der UBS (Union Bank of Switzerland), der Credit Suisse und dem US-Bankhaus Morgan Stanley zu beteiligen.

Wer um alles in der Welt ist Sulejman Kerimow, der sich anschickt, so wie unsereins Kartoffeln kauft, mal eben gewichtige Anteile an den großen Finanzkonzernen auf dem Globus einzusacken? Der achtreichste Russe, in der Weltrangliste laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ immerhin auf Platz 36, soll über ein Vermögen von 17 Milliarden US-Dollar verfügen. So richtig viel weiß der Normalbürger von Kerimow aber nicht, in den Klatschspalten wird kolportiert, dass er vor rund zwei Jahren in Nizza einen geliehenen Ferrari im Wert von 670 000 Euro an einen Baum klatschte. Ansonsten bleibt im Verborgenen, wie der in der Kaukasusrepublik Dagestan geborene 42-Jährige zu seinem vielem Geld gekommen ist.

Kerimow gilt als Finanzier des ehemaligen Regierungschefs Wladimir Putin, ist selbst Duma-Abgeordneter, Parteimitglied der dem Kreml nahe stehenden Partei „Einiges Russland“. Der Russe besitzt unter anderem drei Viertel der Anteile am fünftgrößten Silberproduzenten der Welt und hat dieser Tage offenbar 4,5 Prozent an Gazprom für knapp 10 Milliarden US-Dollar veräußert. Respekt.

Mit seinen Cash-Beständen hat Oligarch Kerimow in der Tat genügend Kleingeld übrig, sich auch an Finanzgiganten wie die Deutsche Bank heranzuschleichen. Ob Kerimow nun tatsächlich schon drei Prozent hält und sogar weiter auf neun ausbauen will, wollte bei den Frankfurter Bankern niemand kommentieren. Wirklich spannend ist, dass potente Finanzinvestoren die weltweite Finanzkrise nutzen, sich bestes Tafelsilber zuzulegen, während sich die normalen Börsianer noch einen zusammenzittern. Kaufen, wenn die Kanonen donnern, lautet eine alte Börsenregel. Nur trauen muss man sich. Die Russen machen es uns vor. Nochmals Respekt.
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