ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Randnotiz: Totgesagte leben länger

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Randnotiz: Totgesagte leben länger

Dtsch Arztebl 2008; 105(26): A-1419 / B-1227 / C-1195

Spielberg, Petra

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LNSLNS Der Unfallort ist mit Stacheldrahtzäunen hermetisch abgeriegelt. Die Rettungskräfte – 27 an der Zahl – eilen mit Blaulicht und Sirenen herbei. Es gilt, einen Totgesagten zu reanimieren. Sein Name: EU-Vertrag von Lissabon. Chefärztin Angela Merkel leitet, wie immer souverän, den Einsatz. Für sie steht nach einem flüchtigen Blick auf den Patienten fest: Sein Zustand ist zwar kritisch. Aber er lebt.

Den zahlreichen Schaulustigen erklärt Merkel, dass sich das international hoch angesehene Ärzteteam erst zu einer Beratung zurückziehen müsse, um einen Notfallplan zu ersinnen, damit der Patient möglichst bald wieder auf die Beine kommt. Während der französische Kollege sofort mit allem einverstanden ist, was Chefärztin Merkel sagt, zögert der Assistenzarzt aus Tschechien noch. Er fürchtet, dass der wiederbelebte Patient zu viele bleibende Schäden davontragen könnte. Die erfahrene Chefin wischt seine Zweifel jedoch beiseite. Es sei schließlich nicht das erste Mal, dass der Patient dem Tod von der Schippe gesprungen sei. Und das europäische Spitzenteam habe bislang immer ein Rezept gefunden, ihn wieder zurück ins Leben zu holen.

Nach einigem Hin und Her einigen sich die Ärzte darauf, dass es wohl das Beste sei, zunächst noch einmal mit den Angehörigen des Patienten in Irland zu sprechen. Man müsse ihnen nur geduldig erklären, dass der Patient gute Überlebenschancen hat, wenn sie der ärztlichen Verordnung zustimmen, so die einhellige Meinung der Experten. Denn aufgeben wollen die Ärzte den Patienten auf keinen Fall. Auch wenn der ein oder andere insgeheim vielleicht doch lieber Sterbehilfe leisten würde.
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