ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Rauchen: Suchtmerkmale bewiesen

AKTUELL: Akut

Rauchen: Suchtmerkmale bewiesen

Dtsch Arztebl 2008; 105(26): A-1420 / B-1228 / C-1196

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Nikotinabhängige Raucher weisen in der Funktion des Dopaminsystems im Gehirn ähnliche Defizite auf wie andere Suchtkranke. Das haben Mainzer, Aachener und Dresdner Wissenschaftler mithilfe der Positronenemissionstomografie (PET) herausgefunden. Die Studie, die online im „American Journal of Psychiatry“ (http://ajp.psychiatryonline.org/content/vol165/issue4/index.dtl) erschienen ist, zeigt klar, dass die neurobiologischen Auswirkungen von Nikotin ähnlich denen von Alkohol, Kokain, Heroin oder Amphetamin sind. Die Frage, ob Rauchen eine echte Suchterkrankung oder doch eher eine schlechte Angewohnheit ist, beschäftigt die Forschung schon seit Längerem. Insbesondere ging man nicht davon aus, dass Nikotin die gleichen neurobiologischen Folgen hat wie die sogenannten harten Drogen. Diese Annahme haben die Wissenschaftler nun widerlegt.

Mithilfe der PET haben sie den Dopamin-stoffwechsel im Gehirn von 17 starken Rauchern mit demjenigen von 21 Nichtrauchern verglichen. Nikotin setzt – ebenso wie Alkohol oder Drogen – in einem Teil des Mittelhirns den Botenstoff Dopamin frei. Rezeptoren auf der Oberfläche von Nervenzellen binden Dopamin und werden in die Zelle geschleust. Bei chronischem Nikotinkonsum kann sich infolge einer dauerhaften Dopaminfreisetzung die Rezeptorendichte verändern.

Niedrige Rezeptorendichte ist charakteristisch für Suchtverhalten
So zeigt die Studie, dass im bilateralen Putamen (ein Teil des Striatums) die Verfügbarkeit bestimmter Dopaminrezeptoren bei den Rauchern stark erniedrigt ist. Eine ähnlich niedrige Rezeptorverfügbarkeit in diesem Teil des Gehirns tritt auch bei Patienten auf, die alkohol-, kokain-, heroin- oder amphetamin-abhängig sind. Das Dopaminsystem im bilateralen Putamen ist entscheidend daran beteiligt, Neues interessant zu finden oder eine Belohnung bei bestimmten Auslösern zu antizipieren. Eine niedrige Verfügbarkeit von Dopaminrezeptoren in diesem Bereich verschlechtert die natürliche Dopaminwirkung. „Die niedrige Verfügbarkeit war auch unter Entzugsbedingungen gegeben", beschreibt Dr. med. Christoph Fehr (Mainz) ein weiteres Ergebnis der Studie. „Hält diese länger an, wäre dies eine mögliche Erklärung, warum es den Betroffenen so schwerfällt, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn eine anhaltende Unterfunktion des Dopaminsystems scheint ein charakteristisches Merkmal für Abhängigkeit und Rückfallrisiko bei einer Suchterkrankung zu sein.“ zyl
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