ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Medikamentenmissbrauch: Apotheker legen Leitfaden vor

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Medikamentenmissbrauch: Apotheker legen Leitfaden vor

Dtsch Arztebl 2008; 105(26): A-1422

Bühring, Petra

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1,5 Millionen Tablettenabhängige gibt es in Deutschland – die meisten konsumieren Benzodiazepine oder Schmerzmittel. Foto:Vario Images
1,5 Millionen Tablettenabhängige gibt es in Deutschland – die meisten konsumieren Benzodiazepine oder Schmerzmittel. Foto:Vario Images
Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat einen Leitfaden vorgelegt, der Apotheker unterstützen soll, Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit zu erkennen, die Betroffenen aufzuklären und zu beraten. „Die Apotheker haben gemeinsam mit den Ärzten eine wichtige Funktion im Patientenschutz“, erklärte Magdalene Linz, Präsidentin der Kammer.

Bundesweit sind schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten; die meisten von rezeptpflichtigen Benzodiazepinen und deren Analoga. Hinzu kommt der teils unabsichtliche Missbrauch von rezeptfreien Schmerzmitteln, Nasentropfen oder Abführmitteln. Nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sind 70 Prozent der Medikamentenabhängigen weiblich.

Einen missbräuchlichen Konsum könnten Apotheker an der Häufigkeit der Nachfrage und den gewünschten Mengen erkennen, sagte Prof. Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der BAK. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten seien Rezepte verschiedener Ärzte für denselben Patienten oder das Verschreiben eines „kritischen“ Arzneimittels auf Privatrezept weitere Hinweise. Aber Süchtige griffen auch zu Tricks – wie dem angeblichen Rezeptverlust, der Fälschung von Rezepten oder der Reklamation angeblich unvollständiger Packungen nach vorheriger Entnahme.

Bei Verdacht auf Missbrauch sollten die Apotheker bei rezeptpflichtigen Medikamenten den Arzt informieren. Bei rezeptfreien Mitteln helfen Aufklärungs- und Beratungsangebote. Bei begründetem Missbrauchsverdacht können die Apotheken die Abgabe auch verweigern. Anonymisierte Meldungen an die Arzneimittelkommision Deutscher Apotheker tragen dazu bei, „neuen Substanzkombinationen, die die Szene im Internet austauscht, auf die Spur zu kommen“, sagte Schulz.

Die Bundes­ärzte­kammer legte bereits im April 2007 einen Leitfaden zur Medikamentenabhängigkeit vor. Die beiden Leitfäden im Internet: www.aerzteblatt.de/plus 2608. PB
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