ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Private Kran­ken­ver­siche­rung: Demonstrierte Einigkeit

POLITIK

Private Kran­ken­ver­siche­rung: Demonstrierte Einigkeit

Dtsch Arztebl 2008; 105(26): A-1424 / B-1230 / C-1198

Rabbata, Samir

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LNSLNS PKV-Verbandschef Schulte müht sich, Vorschläge aus den eigenen Reihen für einen Systemwechsel herunterzuspielen und plädiert für einen Ausbau der Vollversicherung. Noch folgen ihm alle Mitgliedsunternehmen.

Nach Spekulationen in den letzten Tagen über ein mögliches Ende der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) in ihrer jetzigen Form, ist der Branchenverband der Privatversicherer jetzt in die Offensive gegangen. Die Mitgliederversammlung des Verbands sprach sich einstimmig für den weiteren Ausbau der privaten Vollversicherung aus. „Niemand in der PKV will die Vollversicherung aufgeben“, sagte Verbandschef Reinhold Schulte nach dem Mitgliedstreffen am 18. Juni in Berlin.

Schulte trat damit Berichten entgegen, der PKV-Verband stehe vor einer Spaltung. Auslöser für die Spekulationen war ein internes Papier der Versicherungskonzerne Allianz, Axa und Ergo, in dem ein radikaler Umbau des Kran­ken­ver­siche­rungssystems hin zu einer Einheitskasse von PKV und gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) mit Grundversorgung vorgeschlagen wird (DÄ, Heft 25/2008). Nach dem Modell sollen sich die Bürger über Zusatzpolicen gegen bestimmte Krankheitsrisiken absichern können. Vor allem kleine Unternehmen wiesen diese Vorschläge zurück.

Ärzte fordern PKV zu Geschlossenheit auf
Kritik kam auch von den Ärzten. „Der Deutsche Ärztetag hat sich vor wenigen Wochen gegen eine Angleichung von privater und gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung gewandt. Von den Unternehmen der PKV sollten wir dieselbe Geschlossenheit erwarten dürfen“, sagte Dr. med. Franz Gadomski, Vorsitzender des Ausschusses „Gebührenordnung“ der Bundes­ärzte­kammer.

Derweil ist Schulte um Schadensbegrenzung bemüht. Es handele sich um ein Arbeitspapier, in dem Szenarien für eine Weiterentwicklung des Versicherungssystems durchgespielt worden seien. Seinen Ärger über die brisanten Planspiele konnte er jedoch nicht verhehlen: „Manche Arbeitspapiere sind gut und manche nur interessant.“

Großkonzerne streben nach neuen Geschäftsfeldern
Das passt zu Gerüchten, dass es innerhalb des PKV-Verbands kräftig rumoren soll. Schon lange ist bekannt, dass sich große Mitgliedsunternehmen eine Neuordnung des Versicherungsmarkts gut vorstellen können. Die Gründe sind vielfältig. So steigen die Kosten für ambulante und stationäre Leistungen und mit ihnen die Prämien. Für potenzielle Kunden verliert die Vollversicherung damit an Attraktivität. Dies gilt umso mehr, seitdem der Gesetzgeber die PKV mit der jüngsten Gesundheitsreform dazu verpflichtet hat, künftig einen Basistarif anzubieten. In der Folge konnten die Privaten 2007 nur 60 000 Neukunden werben – das ist nur halb soviel wie im Jahr zuvor.

Verständlich, dass sich die Versicherungsmultis nach neuen Feldern im Zusatzpolicengeschäft umsehen. Weil diese Unternehmen breit aufgestellt sind, ist ein Systemwechsel für sie weniger riskant als für reine Krankenversicherer. Das Arbeitspapier kann man insofern als „Versuchsballon“ interpretieren, mit dem die Reaktionen auf den Radikalvorschlag getestet werden sollen. Es kann aber auch als Signal an die Politik gewertet werden, dass man einem Umbau des Versicherungssystems nach niederländischem Vorbild nicht abgeneigt ist.
Samir Rabbata
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