ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Jugendgewalt: Risikofaktor ADHS
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Auch nach mehrfachem Durchlesen des Artikels konnte ich einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung von Jugendkriminalität nicht entdecken und möchte deswegen eine Ergänzung platzieren, die durchaus nicht auf neuen Erkenntnissen beruht. Schon 1993 schrieb Prof. M. H. Schmidt in seinem Kompendium „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ über die (damals noch meist so genannten) Hyperkinetischen Syndrome: „Bei der Hälfte der betroffenen Kinder bildet sich die Störung in der Adoleszenz zurück, . . . bei den meisten anderen entwickeln sich dann dissoziale Probleme, teils über die Impulsivität, teils über die mangelnden Schulleistungen entstanden.“ Damit wäre dem pädiatrischen Hausarzt eigentlich ein Screening möglich, zumal bei den Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) das Sichtbarwerden erster Symptome bereits vor dem Schulalter gefordert ist, die Störung selbst im Grundschulalter aber meist recht deutlich wird. Untersuchungen der Universität Homburg (Prof. Rösler) in Jugendhaftanstalten haben schon vor Jahren die exorbitante Häufung der ADH-Störungen unter jugendlichen männlichen Delinquenten offengelegt. Das jedoch hat weder dazu geführt, dass diese Störungsbilder bei forensischen Tagungen die gebührende Bedeutung erlangt haben, noch dass sie in einem solchen Artikel auftauchen. Dann aber ist es nur allzu folgerichtig, dass die Effizienz der Maßnahmen von Jugendpsychiatrie und -hilfe zu Klagen Anlass gibt, vor allem wenn bestimmte Verhaltensweisen psychologisierenden Deutungen zugeführt werden, die eher den internalisierten Konzepten des Therapeuten entsprechen denn der Realität. Den Jugendlichen ist dann kaum geholfen, dafür hat die Presse bald ein neuerliches entsprechendes Thema, vor allem, wenn der Betreffende es nicht vermochte, „sich bremsen . . . zu können“ – allzu typisch für Kinder mit ADHS.
Dipl.-Med. Thomas Greger,
Gustav-Schwab-Straße 20, 08062 Zwickau
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