ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2008Börsebius: Auf der Hut

GELDANLAGE

Börsebius: Auf der Hut

Dtsch Arztebl 2008; 105(26): A-1460 / B-1260 / C-1228

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Bei einer Anlageentscheidung spielen viele Kriterien eine Rolle: Risikoneigung, Struktur des bisherigen Vermögens, Anlageziele wie Altersvorsorge und Erzielung von regelmäßigen Zinseinkünften oder bloße Spekulation; natürlich auch die aktuelle Situation an den Börsen, ist der Markt „bearish“ oder „bullish“, also geht's runter oder rauf.

Je näher der Jahreswechsel rückt, so fürchte ich, dürften die genannten Kriterien eine immer geringere Rolle spielen. Sie werden vielmehr überschattet vom Damoklesschwert der Abgeltungsteuer. Wenn ich die vielfältigen Angebote und Marketingaktionen von Banken und Finanzdienstleistern sehe, wird mir zuweilen angst und bang ob der illustren Packung „wider die Abgeltungsteuer“ und des oft genug dürftigen Inhalts. Von einem Anbieter weiß ich, dass er die Anleger zu dem Thema auf ein Kreuzfahrtschiff eingeladen hat, die Plätze waren binnen kürzester Zeit vergriffen. Wie die Sache letztlich ausgegangen ist, weiß ich freilich auch nicht, aber ein gewisser Butterfahrtcharakter mit deliziösem Anstrich mag sich da schon einstellen.

Es ist in der Tat so, dass bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften ein epochaler Umbruch stattfindet. Oder anders: Es ist nur noch in diesem Jahr möglich, sich durch kluge und vorausschauende Maßnahmen für die kommenden Jahre steuerfreie Kursgewinne auf Aktien und Fondsanteile zu sichern. Wer hier nicht aufpasst oder nicht früh genug reagiert, kann in der Folgezeit leicht Zigtausende Euro verschenken.

Ganz wichtig ist, sich in diesem Zusammenhang genau die Produkte anzusehen, die zuhauf auf die Anleger einprasseln. Viele dieser Steuersparkonstrukte sind mit der heißen Nadel gestrickt, knapp 600 neue Fonds sind seit Januar 2008 zum Vertrieb zugelassen worden, und bis im Herbst werden es leicht über 1 000 werden, von denen ein großer Teil als Dachfonds konzipiert ist, bei denen wohl eher der Anbieter über zackige Gebühren und Umschichtungskosten die fette Sahne einstreicht und dem Anleger nur karge Hausmannskost verbleibt.

Aber Achtung! Von diesen steueroptimierten Produkten werden etliche alsbald den Bach runter gehen, weil sie schlicht zu wenig Kapital eingesammelt haben. Die Anbieter haben dann nur die Möglichkeit, weil die Fixkosten zu hoch sind, den Umstieg in einen anderen Fonds zu empfehlen. Mit der fatalen Folge, dass die ehemals propagierten steuerfreien Kursgewinne im Nirwana verschwinden. Es gilt, auf der Hut zu bleiben. Sehr sogar.
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