ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Strahlenschutz in der diagnostischen Radiologie: Intensiver kommunizieren

MEDIZIN: Diskussion

Strahlenschutz in der diagnostischen Radiologie: Intensiver kommunizieren

Radiation Protection in Diagnostic Radiology: More Intense Communication is Required

Dtsch Arztebl 2008; 105(27): 498; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0498

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LNSLNS Die Ausführungen zum „Strahlenschutz in der diagnostischen Radiologie“ sind ein wichtiger Beitrag. Sehr gut werden die Details der einzelnen Dosisbegriffe erklärt.

Sämtliche angegebenen Risikoabschätzungen beruhen – wie ausgeführt – im Wesentlichen auf den Erfahrungen der Atombombenabwürfe in Japan. Diese Berechnungen können nur sehr grob sein, da die damaligen Strahlendosen und -arten andere waren, als in der heutigen radiologischen Diagnostik.

Die angegebenen Tabellen dienen zur Orientierung, wobei aber festgehalten werden muss, dass eine erhebliche bedienerabhängige Schwankungsbreite existiert. Der Faktor 400 für ein Thorax-CT scheint etwas hoch gegriffen, wohingegen je nach Anzahl der untersuchten KM-Phasen im Abdomen-CT mehr als 10 mSv auftreten können (1). Es fehlen leider Angaben zu Katheteruntersuchungen (Herzkatheter, PTCA), bildgesteuerten Therapien (Vertebro-/Kyphoplastie, intraoperatives Röntgen) und zu modernen Verfahren (Computertomografie-Kolographie, Kardio-CT, HRCT der Lunge). Deren Dosisbeitrag ist Zuweisern oft unbekannt (2).

Viele Unwägbarkeiten gibt es zur Frage des „attributablen Mortalitätsrisikos“ (3). Die reinen Zahlen mögen unter den gegebenen Voraussetzungen stimmen, doch sind sie allenfalls zum Vergleich der Expositionspraxis der Länder untereinander geeignet. Im Hinblick auf potenzielle Todesfälle oder Malignome durch Röntgen sollte berücksichtigt werden, dass Untersuchungen mit ionisierenden Strahlen meistens an teils schwer erkrankten Patienten, oft im höheren Lebensalter durchgeführt werden.

Die von den Autoren betonte Forderung nach intensiver Kommunikation zwischen Zuweisern und fachkundigen Kollegen ist wesentlich: Der Strahlenschutz fängt vor der Röntgenabteilung an! Eine richtige Indikationsstellung mit gezielter Anforderung und strahlensparende Untersuchungstechnik führen zur Dosisreduktion für den Einzelnen und die Bevölkerung. „Im Strahlenschutz wiegt ein Gramm Gehirn mehr als eine Tonne Blei“ (Felix Wachsmann, 1965).
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0498

PD Dr. med. Mathias Cohnen
Institut für Diagnostische Radiologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
1.
Cohnen M, Poll LJ, Puettmann C, Ewen K, Saleh A, Mödder U: Effective doses in standard protocols for multi-slice CT scanning. Eur Radiol. 2003; 13: 1148–53. MEDLINE
2.
Heyer CM, Peters S, Lemburg S, Nicolas V: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? Röfo 2007;179: 261–7. MEDLINE
3.
Berrington de González A, Darby S: Risk of cancer from diagnostic X-rays: estimates for the UK and 14 other countries. Lancet 2004; 363: 345–51. MEDLINE
1. Cohnen M, Poll LJ, Puettmann C, Ewen K, Saleh A, Mödder U: Effective doses in standard protocols for multi-slice CT scanning. Eur Radiol. 2003; 13: 1148–53. MEDLINE
2. Heyer CM, Peters S, Lemburg S, Nicolas V: Einschätzung der Strahlenbelastung radiologischer Thorax-Verfahren: Was ist Nichtradiologen bekannt? Röfo 2007;179: 261–7. MEDLINE
3. Berrington de González A, Darby S: Risk of cancer from diagnostic X-rays: estimates for the UK and 14 other countries. Lancet 2004; 363: 345–51. MEDLINE

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