ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Exzellenzinitiative: Spitzenlehre kommt zu kurz

POLITIK

Exzellenzinitiative: Spitzenlehre kommt zu kurz

Dtsch Arztebl 2008; 105(27): A-1486 / B-1283 / C-1251

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Das begehrte Siegel „Elite-universität“ verschafft den innerhalb der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderten Hochschulen nicht nur finanzielle Vorteile. Beachtlich sind auch die nationale und internationale Reputation, die damit verbunden sind. „Bereits bei der Wahl einer Hochschule schwingt bei vielen Studienbewerbern der Titel ‚Eliteuniversität‘ mit. Automatisch übertragen sie ihn auf die gesamte Hochschule und auch auf die Lehre“, berichtet ein Studienberater der Freien Universität Berlin.

Doch eine herausragend gute Lehre bieten die bislang als „Eliteuni“ gekürten Hochschulen oftmals nicht. Spitzenlehre wird momentan auch nicht von der Regierung und den Ländern gefördert. Bei Bündnis 90/Die Grünen stößt das auf Unverständnis. „Die Attraktivität und der Erfolg der deutschen Hochschulen bauen auf dem Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre auf. Dennoch setzt die Exzellenzinitiative einseitig auf die Forschung, Spitzenlehre kommt zu kurz“, kritisiert Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen bei einem Fachgespräch zur Exzellenzinitiative Mitte Juni in Berlin.

„Die Exzellenzinitiative hat viele positive Auswirkungen auf die deutsche Hochschullandschaft“, erklärt Dr. Marius R. Busemeyer vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Neben der spürbaren Bewegung in der Forschung und Nachwuchsförderung sei künftig auch eine Ausdifferenzierung innerhalb der Lehre an den einzelnen Hochschulen wichtig. Während im Forschungsbereich eine „Südzentrierung“ unverkennbar sei, hätten auf dem Gebiet der Lehre gerade viele ostdeutsche Universitäten besonders gute Bedingungen, die vermehrt als Stärke herausgestrichen werden müssten.

Bereits im Februar setzten sich die Grünen mit einem Antrag an den Deutschen Bundestag für einen höheren Stellenwert der Lehre an den Hochschulen ein. „Ab dem Jahr 2011 muss die bestehende Exzellenzinitiative um einen Wettbewerb zur Förderung exzellenter Lehre erweitert werden“, heißt es darin. „Eine Hochschule kann nur dann als herausragende Spitzenuniversität mit insgesamt überzeugendem Zukunftskonzept gelten, wenn sie auch herausragende Leistungen in der Lehre erzielt“, erläutert Gehring.

Wettbewerb um eine exzellente Hochschullehre
Nach Ansicht der Grünen sollte umgehend ein Wettbewerb für herausragende und innovative Lehre konzipiert werden. Diese könne als eine Wettbewerbslinie in die Exzellenzinitiative bei einer erneuten Ausschreibung im Jahr 2011 integriert werden. Offenstehen sollte der Wettbewerb in getrennten Förderlinien sowohl einzelnen Fachbereichen als auch einer gesamten Hochschule. Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung werten die Grünen den Wettbewerb um eine exzellente Hochschullehre, der vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Hochschulrektorenkonferenz organisiert wird (Kasten).

Voraussetzung für eine gute Lehre sei eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen, betont Gehring. In ihrem Antrag fordern die Grünen die Bundesregierung und die Länder deshalb auf, den laufenden Hochschulpakt I und den geplanten Hochschulpakt II finanziell so auszustatten, dass für alle Studierenden gute Betreuungsrelationen und eine hochwertige Lehre ermöglicht werden können. Auch die Wirtschaft solle sich an der Förderung herausragender Hochschullehre beteiligen. Von den Hochschulen verlangen die Grünen, bei Berufungsverfahren mehr Wert auf die didaktischen Kompetenzen der Hochschullehrer zu legen und „gute Lehre“ zu evaluieren.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Ars legendi-Preis
Auf Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz verleiht der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft von 2006 bis 2010 jährlich den mit 50 000 Euro dotierten Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre.

Mit dem Preis will der Stifterverband die besondere Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des akademischen Nachwuchses sichtbar machen und einen Anreiz schaffen, sich dafür zu engagieren. Gleichzeitig soll die Qualität der Lehre als ein zentrales Exzellenzkriterium für Spitzenhochschulen etabliert werden. Neben einer eigenen exzellenten Didaktik und Lehrqualität ist ausschlaggebend, inwieweit der Preisträger auch überregionale Impulse für die Weiterentwicklung der Hochschullehre gibt.

Verantwortlich für das Auswahlverfahren ist die Hochschulrektorenkonferenz, aber auch die Studierenden sind maßgeblich am Auswahlprozess beteiligt. Der Stifterverband stellt das Preisgeld zur Verfügung. Dieses wird jedes Jahr in einer anderen Fächergruppe vergeben. Preisträger in der Medizin waren 2006 Priv.-Doz. Dr. med. Sigrid Harendza, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sowie Prof. Dr. med. Reinhard Putz, Anatomische Anstalt, Ludwig-Maximilians-Universität München.
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