ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Psychotherapie: Blühender Wildwuchs
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. . . Einen ärztlichen Psychotherapeutenmangel zu konstatieren und gleichzeitig psychotherapeutisch ausgebildete Ärzte aus der Versorgung fernzuhalten, kann psychopathologisch nur durch Spaltungsvorgänge, Verleugnungsprozesse und hohe Verdrängungsbereitschaft der Verantwortlichen möglich sein. Seit in Deutschland, weltweit übrigens einzigartig, ein Facharzt für Psychotherapeutische Medizin eingeführt wurde, mit einem gigantischen, scheinbar fundierten Ausbildungspensum und einer überholten – vor allem mit dem Anspruch einer Facharztausbildung – Aufspaltung in Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Therapie, sinkt seltsamerweise die Bereitschaft von Ärzten, psychotherapeutisch zu arbeiten. Merkwürdig? Nein, keineswegs. Wer sich die Mühe macht, die Kosten und zeitliche Anforderung eines solchen Facharztes nachzurechnen, käme auf einen wirtschaftlichen Irrsinn. Einzig die vielen selbsternannten Ausbildungsinstitute und Supervisoren sehr unterschiedlicher Qualität profitieren. Finanziell natürlich, ob das auch einer „guten fundierten Weiterbildung“ dient, das hat noch niemand wirklich überprüft. Durch das Fehlen jeglicher Qualitätssicherung und Evaluation blüht gerade im psychotherapeutischen Bereich der Wildwuchs, keinesfalls nur mit wohlriechenden Wildblumen. Das allein kann sehr abschreckend wirken. Der Zusatztitel Psychotherapie – übrigens die älteren Semester mit dem Facharzt sind „nur“ mit dem Zusatztitel qualifiziert – wurde systematisch degradiert . . . Mein Vorschlag zu einer Lösung des Quotenproblems: Die Zulassung der vorhandenen ärztlichen Psychotherapeuten als einfachste Lösung und die Steigerung der Attraktivität einer Facharztausbildung (z. B. Verkürzung, Straffung, Integration, Kostenreduktion, Qualitätssicherung) als andere Möglichkeit. Es ist schade, eine originäre ärztliche Handlung (das Gespräch) nun noch mehr Psychologen, Heilpraktikern und alternativen Behandlern zu überlassen.
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