ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Psychotherapie: Widersinnig
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Angeblich fehlt es dem kassenärztlichen System an ärztlichen Psychotherapeuten, sodass die ambulante psychotherapeutische Versorgung nicht ausreichend ist. Daher soll nun die Regelung, die bisher eine Mindestquote von 40 Prozent an ärztlichen Psychotherapeuten vorgesehen hat, zugunsten der Psychologischen Psychotherapeuten auf 20 Prozent gesenkt werden. Ich bin ärztliche Psychotherapeutin, werde aber zur kassenärztlichen Versorgung nicht zugelassen, weil ich nicht Fachärztin, sondern Ärztin mit Zusatztitel „Psychotherapie“ bin. Dies empfinde ich als völlig widersinnig, wenn ich lese, dass es an ärztlichen Psychotherapeuten fehlt. Umso mehr, weil ich weiß, dass 1997 Kollegen, die damals den Zusatztitel „Psychotherapie“ bereits abgeschlossen hatten, zu „Fachärzten für psychotherapeutische Medizin“ ernannt und (wie bis dahin ohnehin selbstverständlich) in die Versorgung einbezogen wurden. Gemäß der neuen Weiter­bildungs­ordnung von 2005 dürfen diese Kollegen heute sogar die Bezeichnung „Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ führen. Wer allerdings nicht unter die Regelung von 1997 fiel, hatte mit demselben Zusatztitel später das Nachsehen. Ich glaube, dass wir auch deshalb unter „Ärztemangel“ leiden, weil eine kassenärztliche Niederlassung heute nur als Facharzt möglich ist und die Ausbildung zum Facharzt immer aufwendiger wird, und gerade für Mütter kaum noch zu schaffen ist. Vor lauter Streben nach „Qualität in der Versorgung“ haben wir bald überhaupt keine Versorgung mehr! . . .
Dr. med. Barbara Günther-Haug, Gartenstraße 12, 61389 Schmitten
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