ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Wissenschaftsorganisationen: Initiative für den Ausbau von Open Access

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Wissenschaftsorganisationen: Initiative für den Ausbau von Open Access

Dtsch Arztebl 2008; 105(27): A-1505 / B-1299 / C-1267

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die „Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen“ hat Anfang Juni 2008 die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ beschlossen, um eine integrierte digitale Forschungsumgebung zu schaffen und die Erstellung und den Austausch digitaler wissenschaftlicher Informationen zu verbessern. Die Vision: Wissenschaftler, Forschende und Lehrende können von ihren Arbeitsplätzen uneingeschränkt auf alle benötigten Informationen und Plattformen zugreifen – von der digitalisierten Handschrift des 15. Jahrhunderts über Forschungsprimärdaten und die elektronischen Zeitschriften ihrer Disziplinen bis hin zu den virtuellen Arbeits- und Kommunikationsumgebungen.

An der Initiative beteiligen sich die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sowie die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat. Die Partner der Allianz wollen zwischen 2008 und 2012 ihre Aktivitäten im Bereich der digitalen wissenschaftlichen Informationssysteme stärker koordinieren und weiter ausbauen. Dabei haben sie sich auf sechs Aktionsfelder verständigt:

Nationale Lizenzierungen: Seit 2004 gibt es das Modell der Nationallizenzen, das von der DFG initiiert wurde. Das Modell soll unter Einbeziehung der Allianz-Mitglieder weiterentwickelt werden.

Open Access: Das Wissen in digitaler Form soll ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich werden. Die Allianz will den Ausbau institutioneller und disziplinärer digitaler Archive und Publikationsserver („Repositorien“) stärken. Darüber hinaus sollen Geschäfts- und Fördermodelle einschließlich deren gemeinschaftlicher Finanzierung entwickelt werden. In Modellprojekten soll auf eine Umschichtung der Subskriptions- auf Publikationskosten hingewirkt werden.

Nationale Hosting-Strategie: Ziel ist es, eine leistungsfähige Infrastruktur zum Speichern digitaler Volltexte aufzubauen, die den nachhaltigen Zugriff auf elektronische Veröffentlichungen und Daten sichern soll. Die dafür notwendigen Strukturen sind nach Meinung der beteiligten Organisationen von ähnlich grundlegender Bedeutung wie der Aufbau elektronischer Datenbanksysteme in früheren Jahren.

Forschungsprimärdaten: Die Wissenschaftsorganisationen sehen einen dringenden Handlungsbedarf für die systematische Sicherung von im Forschungsprozess erzeugten Daten. Auch hier müssen in den jeweiligen Disziplinen Strukturen und Prozesse etabliert werden, um Forschungsprimärdaten zu sichern, zu archivieren und für die Nutzer bereitzustellen.

Virtuelle Forschungsumgebungen: Bestehende Ansätze für vernetzte Forschungsumgebungen, wie etwa die virtuellen Helmholtz-Institute, das Förderprogramm „Themenorientierte Netzwerke“ der DFG sowie die eSciDoc-Entwicklungen der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft, werden ausgebaut. Zusätzlich sollen gemeinsame Projekte entwickelt werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Der Aufbau einer digitalen Forschungsumgebung wird derzeit vor allem durch zwei Faktoren gehemmt: durch das jüngst novellierte Urheberrecht sowie durch unterschiedliche Mehrwertsteuersätze für Printpublikationen (7 Prozent) und für digitale Publikationen (19 Prozent). Die Allianz fordert den verringerten Mehrwertsteuersatz auch für digitale Produkte. Bei einer Novellierung des Urheberrechts sollen Autoren ein „Grundrecht“ erhalten, ihre Arbeiten „im Sinne eines freien Zugangs der Wissenschaft zu Informationen im Open Access“ publizieren zu können. KBr

Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ im Internet: www.aerzteblatt. de/plus2708
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