ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Der Arbeitsmarkt für Ärzte: Größere Arbeitslosigkeit bei Berufsanfängern

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Der Arbeitsmarkt für Ärzte: Größere Arbeitslosigkeit bei Berufsanfängern

Bausch, Manfred

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LNSLNS Während die Suche nach Weiterbildungsstellen – vor allem für Frauen – immer schwieriger wird, gab es bei den Fachärzten im vergangenen Jahr nur rund 1 300 Arbeitslose. In den neuen Bundesländern ist die Zahl der arbeitslosen Ärzte in den letzten Jahren deutlich gesunken. Beim aktuellen Vergleich der Arbeitslosenstruktur aller Universitätsabsolventen mit der der arbeitslosen Ärzte erweist sich insgesamt die Situation der Mediziner als günstiger. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer von der Bundesanstalt für Arbeit vorgelegten Statistik für das Jahr 1994, die im folgenden Artikel vorgestellt wird.


Aus der Sicht der Ergebnisse der Arbeitslosenstatistik sind von Arbeitslosigkeit bei Akademikern vor allem Berufsanfänger betroffen. Diese Erkenntnis trifft in besonderem Maß auch auf Ärzte zu. Entsprechende Untersuchungsergebnisse weisen mit wachsendem zeitlichen Abstand zum Studienabschluß deutlich degressive Arbeitslosenkurven auf.
Die in diesem Artikel von der Arbeitsmarktinformationsstelle der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung verwendeten Zahlen stammen überwiegend aus dem Jahr 1994, da die Daten für 1995 noch nicht vorliegen.


Assistenzärzte
Bewerber- und Stellenbestände anläßlich der jeweiligen Stichtagserhebungen spiegeln die Berufslage von Assistenzärzten wider. Ende der 70er Jahre gab es jeweils um die 500 Bewerber, denen ein Vier- bis Fünffaches an offenen Stellen gegenüberstand. Zum damaligen Zeitpunkt konnten aufgrund eines tendenziellen Bewerbermangels nicht annähernd alle an die Arbeitsverwaltung herangetragenen Besetzungswünsche befriedigt werden. Ende 1982 überstieg am Ende eines Berichtsjahres erstmals die Bewerberzahl diejenige der offenen Stellen. In der Folge sank das Stellenaufkommen kontinuierlich weiter ab bis auf einen Tiefststand von 157 im Jahr 1986. Gleichzeitig wurde ein starkes Anwachsen der Bewerberzahl registriert, die bis 1988 auf 6 400 anschwoll, bei einem Frauenanteil von deutlich über 50 Prozent. Der Rückgang der Bewerberzahlen in den folgenden Jahren hängt eng mit der Einführung der Arzt-im-Praktikum- (AiP-)Regelung zusammen.
Bei der letzten Erhebung Ende 1994 gab es 6 338 Bewerber (Frauenanteil: 55 Prozent), denen 719 offene Stellen gegenüberstanden. Im Laufe des Jahre 1994 konnten 1 732 vermittelt werden, etwa die Hälfte davon Frauen. Insgesamt zeichnet sich ab, daß der Arbeitsmarkt für Ärzte ohne Gebietsbezeichnung problematischer wird. Der Übergang aus der Arzt-im-Praktikum-Zeit in entsprechende Weiterbildungsstellen wird dabei immer mehr zum Nadelöhr für Assistenzärzte.
Aufgrund der Tatsache, daß bei der Suche nach Weiterbildungsstellen regionale Veränderungen in Kauf genommen werden mußten, ergaben sich besondere Nachteile für Assi-stenzärztinnen. Karriere und Familie ließen sich gerade in der Phase der Weiterbildung, die häufig mit Bereitschaftsdiensten, Nachtdiensten und Überstunden verbunden war, für sie besonders schwer miteinander verbinden. Nachdem im Vorjahr im Anschluß an die durch das Gesundheitsstrukturgesetz hervorgerufene Niederlassungswelle zunächst gewisse Entlastungseffekte auf dem Teilarbeitsmarkt für Assistenzärzte zu spüren waren, gab es im Zuge der Besetzung frei gewordener Klinikstellen zunächst eine gewisse Nachfragebelebung, die sich 1994/95 nicht mehr fortgesetzt hat. Auch im Bereich der Assistenzärzte hatte die strenge Budgetierung der Haushalte in den Krankenhäusern eher negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
Der Anteil zeitlich befristeter Arbeitsverträge bei Weiterbildungsstellen hat sich deutlich erhöht; die Laufzeiten dieser Verträge sind kürzer geworden. Deshalb gelang es nur wenigen Assistenzärzten, die Facharztweiterbildung en bloque zu absolvieren. Die oft mehrmalige Suche nach entsprechenden Anschlußstellen verlängerte notwendigerweise auch die Gesamtdauer der Facharztausbildung.
Die meisten angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten, die den Fachvermittlungsdiensten vorlagen, betrafen die Gebiete Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie. Dagegen wurden kaum Angebote in den Bereichen Pädiatrie oder Augenheilkunde unterbreitet, die bei den Bewerbern besonders gefragt waren. Zu beobachten ist, daß Stellen, mit denen eine volle Weiterbildungszeit verbunden war, vorzugsweise mit solchen Bewerbern besetzt wurden, die bereits als AiP in den betreffenden Krankenhäusern und Kliniken Erfahrungen gesammelt hatten. Daneben gab es für Assistenzärzte wiederum – wenn auch in reduziertem Umfang – eine Reihe von Offerten aus Kur-, Reha- und Fachkliniken, die aber in der Regel nicht mit Weiterbildungsmöglichkeiten verbunden waren. Angebote zur Praxisvertretung konnten von Assistenzärzten kaum noch wahrgenommen werden, da nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen die fachliche Qualifikation der Bewerber mit dem Fachgebiet der zu vertretenden Praxis übereinstimmen muß.
Die Nachfrage aus der pharmazeutischen und chemischen Industrie war zwar wieder etwas höher, blieb aber, verglichen mit der Situation vor der Rezession, auf einem niedrigen Niveau. Wenn aus diesem Sektor Angebote kamen, bezogen sie sich vor allem auf Aufgaben in Marketing und Vertrieb.
Im öffentlichen Gesundheitswesen hatten Ärzte ohne Gebietsbezeichnung, die keine vertieften Fachkenntnisse mitbrachten, zunehmend ungünstigere Einstellungschancen. Da darüber hinaus auch für die Niederlassung seit 1994 eine volle Weiterbildung nachgewiesen werden muß, wird die Berufslage für Ärzte, die keinen Facharztabschluß anstreben oder innehaben, zusätzlich eingeengt. Einige Angebote für Assistenzärzte lagen den Vermittlern der Bundesanstalt neuerdings aus dem Bereich der Pflegeversicherung vor. Dabei ging es vor allem um die Erstellung von Gutachten zur Feststellung der Pflegestufen. Es handelte sich hierbei jedoch überwiegend um Honorartätigkeiten. Auch Tätigkeiten an Krankenpflegeschulen und vergleichbaren Bildungsstätten wurden etwas häufiger angeboten.
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei Ärzten (für die alten Länder) zeigt im Zehnjahresvergleich zur allgemeinen Akademikerarbeitslosigkeit deutlich günstigere Tendenzen auf. So sind die Spitzenwerte von 1988 – bezogen auf alle arbeitslosen Uni-Absolventen – bereits seit 1993 überschritten, während sie bei den arbeitslosen Ärzten noch bei weitem nicht erreicht sind. Überdies ist die jährliche Steigerungsrate bei den arbeitslosen Ärzten in den letzten Jahren deutlich geringer als beim Durchschnitt der Akademiker (Grafik 1).
Beim aktuellen Vergleich der Arbeitslosenstruktur aller Universitätsabsolventen mit der der arbeitslosen Ärzte erweist sich abermals die Situation der Mediziner als deutlich günstiger. Zwei Drittel der in der Stichtagserhebung zum 30. September 1994 ermittelten Arbeitslosen in den alten Bundesländern waren bis zu sechs Monaten arbeitslos, während beim Durchschnitt aller Absolventen von wissenschaftlichen Hochschulen dieser Wert nur etwas mehr als die Hälfte betrug. Das bedeutet im Umkehrschluß: Der Anteil derjenigen, die längerfristig von Arbeitslosigkeit betroffen waren, war bei den Medizinern erheblich geringer.
Beim Altersvergleich fällt auf, daß der Anteil der älteren Arbeitslosen bei den Ärzten deutlich unter dem Durchschnitt aller Universitätsabsolventen liegt – auch dies ein Verweis auf die etwas günstigere Arbeitslosenstruktur, die sich für Mediziner mit den Stichworten zusammenfassen läßt: weniger Langzeitarbeitslose und weniger ältere Arbeitslose.
Auch bei der Betrachtung der Arbeitslosigkeit von Assistenzärzten zeigt sich, daß die Entwicklung trotz einiger ungünstiger Einflußfaktoren in den letzten Jahren weniger negativ verlaufen ist als die Akademikerarbeitslosigkeit insgesamt. Allerdings ist der Verlauf der Kurve bei den Frauen ein deutlicher Beleg dafür, daß vor allem Assistenzärztinnen wachsende Probleme bei der Stellensuche haben. Dennoch: Auch hier ist die Entwicklung weniger ungünstig als im Durchschnitt aller Hochschulabsolventen und absolventinnen.
Seit Beginn der 80er Jahre wird der Wandel von einem nachfrageorientierten hin zu einem angebotsorientierten Arbeitsmarkt deutlich. Während 1982 in den alten Bundesländern nur 1 308 Ärzte ohne Gebietsbezeichnung arbeitslos gemeldet (Frauenanteil: 46 Prozent) waren, waren es 1988 über 7 000 (Frauenanteil: 51 Prozent). In den Folgejahren sank die Arbeitslosigkeit wieder ab und betraf bei der jüngsten Zählung im September 1994 rund 5 600 Personen bei einem inzwischen auf 56 Prozent angestiegenen Frauenanteil. Gemessen an der Relation bei den neu erteilten Approbationen, wo Frauen 1993 nur mit 37,4 Prozent beteiligt waren, sind sie bei der Arbeitslosigkeit in den alten Bundesländern ohnehin schon deutlich überrepräsentiert. Hier werden die bereits erwähnten üblichen frauenspezifischen Probleme deutlich. Frauen sind durch familiäre Bindungen in der Regel regional stärker eingeengt als ihre männlichen Kollegen. Die Suche nach einer passenden (Weiterbildungs-)Stelle ist deshalb für sie oft mit einem größeren zeitlichen Aufwand verbunden.


Fachärzte
Bei den Fachärzten (Ärzte mit Gebietsbezeichnung) gab es bis Mitte der 80er Jahre so gut wie keine Arbeitsmarktprobleme. Noch im Juni 1982 war der Bestand an offenen Stellen größer als die Bewerberzahl. Selbst die jüngsten Erhebungen im alten Bundesgebiet vom Dezember 1994 deuten auf einen zwar schwieriger gewordenen, aber noch vergleichsweise günstigen Arbeitsmarkt für abhängig beschäftigte Fachärzte hin.
Wegen der Budgetierung der Klinikhaushalte nahm die Nachfrage nach Fachärzten ab. Die Arbeitslosenzahl war dennoch Ende September 1994 mit 1 315 um 96 (minus sieben Prozent) niedriger als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt. Der Frauenanteil betrug 57 Prozent und war damit um vier Prozentpunkte höher als 1993.
Die neuen restriktiven Niederlassungsbedingungen haben dazu geführt, daß die Bewegungvorgänge auf diesem Teilarbeitsmarkt deutlich zurückgingen. So waren der Fachvermittlung am Jahresende 1994 nur noch 610 offene Stellen gemeldet; dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 210 (minus 25 Prozent). Parallel zur Abnahme der Vakanzen aus dem Kliniksektor wurden in den verbliebenen Angeboten die Anforderungen noch höher geschraubt. Beobachtet wurde auch die Tendenz, klassische Oberarztpositionen auf Facharztniveau herunterzustufen.
Wie bereits in den vorangegangenen Jahren kamen die meisten Offerten aus der Inneren Medizin, der Chirurgie, der Psychiatrie und der Neurologie, der Gynäkologie, der Orthopädie, der Radiologie und der Anästhesiologie. Die meisten Angebote bezogen sich auf Tätigkeiten in Akutkliniken. Nur selten wurde die Fachvermittlung von den Bereichen Öffentliches Gesundheitswesen und Pharmazeutische Industrie mit der Besetzung entsprechender Positionen beauftragt.
Die größten Gruppen unter den Bewerbern waren Chirurgen, Anästhesisten, Gynäkologen und Pädiater. Besonders die Letztgenannten trafen auf eine schwache Nachfrage. Vergleichsweise günstig war die Lage für Orthopäden.
Im Laufe des Jahres 1994 konnten 210 Fachärzte mit Hilfe der Fachvermittlung eine neue Stelle antreten, das waren 38 (minus 15 Prozent) weniger als im Vorjahr. Der Vermittlungsanteil, der sich auf Frauen bezog, lag bei 27 Prozent (Vorjahr: 21 Prozent).
Der Verlauf der Vermittlungszahlen zeigt in den vergangenen Jahren keinerlei spektakuläre Tendenzen. Im Schnitt kamen pro Jahr jeweils etwa 250 Vermittlungen zustande. Auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zeigt in den letzten zehn Jahren einen stetigen Verlauf auf etwa gleichbleibendem Niveau. 1982 wurden 1 244 arbeitslose Fachärzte gezählt, zehn Jahre später waren es 1 315. Auffällig ist allerdings der hohe Frauenanteil, der im vergangenen Jahr bei 57 Prozent lag – und zwar seit Jahren mit steigender Tendenz. In einem krassen Gegensatz dazu steht der nur knapp halb so hohe Anteil an den Vermittlungen. Der Anteil der Medizinerinnen an der Berufstätigkeit von Ärzten beträgt gut ein Drittel, bei Fachärzten liegt er noch darunter; die bereits bei den Assistenzärztinnen genannten frauenspezifischen Probleme bei der Arbeitsplatzsuche scheinen damit im Facharztbereich noch größeres Gewicht zu besitzen.


Neue Bundesländer
In den neuen Bundesländern ist die Zahl der arbeitslosen Humanärzte weiter deutlich gesunken. Bei der letzten verfügbaren Erhebung waren 910 Ärzte bei den Dienststellen der Bundesanstalt in den neuen Ländern arbeitslos gemeldet, das waren 110 weniger als ein Jahr zuvor (Grafik 2).
Wegen der Neuorganisation des Gesundheitswesens auf der einen Seite und den Strukturveränderungen aufgrund der gesetzlichen Vorgaben auf der anderen Seite konnten Friktionen in den neuen Ländern auch auf diesem Teilarbeitsmarkt nicht vermieden werden. Ein großer Teil der bei den Fachvermittlungsdiensten gemeldeten Ärzte strebte – trotz der durch das Gesundheitsstrukturgesetz errichteten Hürden – die Niederlassung an. Die verbesserten finanziellen Hilfen der Bundesanstalt für den Weg in die Selbständigkeit wurden dabei gerade von Ärzten gern in Anspruch genommen. Beschäftigungsmöglichkeiten im Klinikbereich gab es im Berichtsjahr vor allem für die Facharztgruppen der Orthopäden, Chirurgen und Neurologen.


Drang zur Niederlassung
Kinderärzte und Allgemeinmediziner hatten dagegen nur geringe Chancen auf Anstellungen in Krankenhäusern und Kliniken. Um die Vermittlungsmöglichkeiten zu verbessern, wurden unter anderem Fortbildungen in Suchtberatung oder medizinischer Dokumentation angeboten. Da jedoch die Lan­des­ärz­te­kam­mern der neuen Länder ein reichhaltiges Weiterbildungsangebot vorhielten, war das Interesse an den Maßnahmen der Fachvermittlung eher verhalten.
Im Laufe des Jahres 1994 wurden 300 Humanärzte vermittelt, 110 (plus 59 Prozent) mehr als 1993. Dieses Ergebnis ist ein deutlicher Verweis auf den gestiegenen Einschaltungsgrad des Fachvermittlungsdienstes in diesem Arbeitsmarktsegment. Mit 59 Prozent war der Anteil der Frauen bei den Vermittlungen etwas niedriger als ihr Arbeitslosenanteil.
Gut zwei Fünftel der arbeitslosen Ärzte waren entweder Ärzte ohne Gebietsbezeichnung (Assistenzärzte) oder Ärzte im Praktikum. Hier betrug der Frauenanteil 60 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen war Ende 1994 mit 61 gemeldeten Vakanzen fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Die Beobachtungen der Fachvermittlung des vergangenen Jahres, daß fachlich und regional kompromißbereite Nachwuchsärzte, die entweder eine AiP-Stelle oder im Anschluß an die AiP-Zeit eine Weiterbildungsstelle suchten, durchaus Vermittlungschancen hatten, bestätigten sich auch im Berichtsjahr. Dabei wurde allerdings eine im Durchschnitt leichte Verlängerung der Sucharbeitslosigkeit nach Abschluß der Praxisphase festgestellt; die Dauer hing stark von der gewünschten Weiterbildungsrichtung ab. Bewerberinnen und Bewerber, die regional gebunden waren, hatten es bei der Stellensuche besonders schwer.
Nur wenige Ärzte im Praktikum hatten die Möglichkeit der Weiterbildung zum Facharzt beim bisherigen Arbeitgeber. Wie in den alten Bundesländern waren sie in der Regel gezwungen, den Arbeitgeber zu wechseln. Die Innere Medizin stand wieder an der Spitze der gewünschten Weiterbildungsfachrichtungen junger Assistenzärzte; hier entsprach das Angebot an offenen Stellen bei weitem nicht der großen Nachfrage. Die meisten der Vakanzen für Assistenzärzte, die der Fachvermittlung vorlagen, bezogen sich auf Tätigkeiten in der Orthopädie oder der Neurologie und kamen besonders häufig aus medizinischen Rehabilitationseinrichtungen. Nur sehr wenige Angebote wurden von den Akutkrankenhäusern, die von den Bewerbern besonders stark nachgefragt waren, unterbreitet. Auch von niedergelassenen Ärzten wurden kaum Weiterbildungsmöglichkeiten gemeldet.
Ausländische oder auch ausgesiedelte Ärzte, die im Berichtsjahr vor allem aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kamen, waren besonders schwer in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Ausgesiedelte Ärzte mußten in der Regel ein Anpassungsjahr ableisten, bevor eine Approbation erteilt werden konnte.
Im Berichtsjahr wurden 180 Ärzte im Praktikum und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung vermittelt. Der Frauenanteil betrug 58 Prozent. Etwa ein Drittel dieser Vermittlungen wurde durch von den Fachvermittlungsdiensten der neuen Länder eingerichtete Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erzielt.
Ende September 1994 waren bei den Arbeitsämtern der neuen Bundesländer 560 Fachärzte arbeitslos gemeldet. Fachärzte haben nach wie vor deutlich geringere Arbeitsmarktprobleme als die meisten anderen Berufsgruppen. 62 Prozent der arbeitslosen Ärzte mit Gebietsbezeichnung waren Frauen. Am Jahresende waren 82 offene Stellen für diesen Personenkreis gemeldet, 21 mehr als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt.
Für Kinderärzte lagen der Fachvermittlung so gut wie keine Stellenangebote vor. Nur vereinzelt wurden Allgemeinmediziner von Rehabilitationseinrichtungen gesucht. Viele Angehörige dieser beiden Facharztgruppen waren gezwungen, sich beruflich neu zu orientieren, etwa im Bereich der Pharmaberatung. Die Offerten für Internisten, die den Fachvermittlungsdiensten etwas häufiger unterbreitet wurden als im vorangegangenen Jahr, bezogen sich oft auf hochspezialisierte Tätigkeiten, wie zum Beispiel in der Kardiologie, der Immunologie oder der Pulmologie. Nur wenige der bei den Fachvermittlungsdiensten gemeldeten Internisten verfügten jedoch über derartige Subspezialisierungen.
Geringe Arbeitsmarktprobleme hatten, wie bereits im Vorjahr, vor allem Ärzte mit den Gebietsbezeichnungen Neurologie, Psychiatrie, Orthopädie und Chirurgie. Auch HNO-, Frauen- und Augenärzte waren nur vereinzelt arbeitslos gemeldet. Für ausgeschriebene Positionen – selbst im Ober- und Chefarztbereich – standen der Fachvermittlung mitunter keine geeigneten Bewerber zur Verfügung. Trotz der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen blieb der Drang zur Niederlassung allgemein groß. Die Ärzte dieser Fachrichtungen, die der Fachvermittlung als Bewerber zur Verfügung standen, wiesen oft vermittlungshemmende Merkmale auf, die im Alter, im Gesundheitszustand oder in der politischen Vergangenheit lagen.
1994 konnten 120 Ärzte mit Gebietsbezeichnung vermittelt werden, 31 mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Unter den Vermittelten waren 75 Frauen. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hatten einen Anteil von 45 Prozent.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1996; 93: A-524–527
[Heft 9]


Anschrift des Verfassers:
Manfred Bausch
Fachbereichsleiter in der Arbeitsmarktinformationsstelle der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung
Postfach 17 05 45
60079 Frankfurt

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