ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Osteoporose: Europaweite Kampagne „Stop the Stoop“

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Osteoporose: Europaweite Kampagne „Stop the Stoop“

Dtsch Arztebl 2008; 105(27): A-1511

Vetter, Christine

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Die Prävalenz der Osteoporose wird für Deutschland zwischen vier und acht Prozent der Gesamtbevölkerung angegeben. Foto: Archiv
Die Prävalenz der Osteoporose wird für Deutschland zwischen vier und acht Prozent der Gesamtbevölkerung angegeben. Foto: Archiv
Ein besseres Krankheitsverständnis soll die Compliance für frakturmindernde Wirkstoffe erhöhen. ´

Für mehr Bewusstsein zu den Konsequenzen einer Osteoporose soll die europaweite Kampagne „Stop the Stoop – Stopp den Buckel“ – sorgen. Die Initiative beinhaltet eine Befragung von 622 postmenopausalen Frauen, die nach Prof. Dr. med. Dieter Felsenberg (Berlin) erhebliche Wissensdefizite aufgedeckt hat. So erklärten einerseits drei Viertel der Befragten, eine Größenminderung im Alter und die Entwicklung eines Buckels zu fürchten, andererseits aber brachte die Mehrzahl der Frauen solche Phänomene nicht mit dem Krankheitsbild der Osteoporose in Zusammenhang. „Die Frauen glaubten, solche Entwicklungen seien eine zwangsläufige Folge des Alterns“, erklärte Felsenberg in Paris.

Die bei der Tagung der Europäischen Liga gegen den Rheumatismus (EULAR) vorgestellten Daten der Kampagne belegen ferner, dass jeder fünften Frau, die aufgrund ihrer Osteoporose ein Bisphosphonat verordnet bekommt, nicht bewusst ist, dass das Medikament das Frakturrisiko senken soll. Dies könne erklären, warum so viele Frauen die Behandlung eigenmächtig abbrechen. Mit der „Stop-the-Stoop“- Kampagne soll nun genau dem entgegengewirkt und durch ein besseres Krankheitsverständnis auch für eine bessere Compliance gesorgt werden.

Denn daran, dass Bisphosphonate das Frakturrisiko bei der Osteoporose mindern, besteht nach Meinung von Felsenberg kein Zweifel. Dass dies für die einmal monatliche Einnahme von Ibandronat ebenso gilt wie für die Standardtherapie mit einem wöchentlich einzunehmenden Bisphosphonat, zeigen die Resultate der VIBE-Studie (eValuation of IBandronate Efficacy), die der Berliner Wissenschaftler in Paris präsentierte. Die retrospektive Beobachtungsstudie basiert auf den Daten von mehr als 64 000 Frauen, die mindestens drei Monate lang ein Bisphosphonat eingenommen haben.

Zwölf Monate lang wurde die Frakturrate analysiert, wobei sich laut Felsenberg bei den nicht vertebralen Knochenbrüchen mit 1,29 Prozent unter Ibandronat und 1,30 Prozent unter den wöchentlichen Bisphosphonaten eine vergleichbare Schutzwirkung ergeben habe. Betrachte man die Hüftfrakturen isoliert, sei ebenfalls zwischen den Kollektiven mit wöchentlicher respektive monatlicher Einnahme kein Unterschied zu sehen gewesen.

Anders war dies bei den vertebralen Frakturen: Bei diesem Parameter ergab sich eine signifikante Überlegenheit der Monatstablette. So sei die Rate der Wirbelkörperbrüche im einjährigen Beobachtungszeitraum mit einer Inzidenz von 0,11 in der Ibandronat-Gruppe gegenüber 0,24 in der Gruppe der Standardtherapie eindeutig niedriger gewesen, erläuterte Dr. Mike Stone (Cardiff/Großbritannien).

Auch wenn es sich nur um eine Beobachtungsstudie und nicht um eine randomisierte Doppelblindstudie handele, lasse dies doch den Schluss zu, dass die Monatstablette dem üblichen wöchentlichen Behandlungsschema mindestens ebenbürtig sei und in Teilbereichen möglicherweise hinsichtlich der Schutzwirkung sogar überlegen. Die seltener notwendige Tabletteneinnahme könne dazu beitragen, die Compliance zu bessern. Dafür sprächen auch die Daten aus „Stop the Stoop“. Denn in der Erhebung habe die Mehrzahl der befragten Frauen angegeben, eine seltenere Tabletteneinnahme zu bevorzugen.
Christine Vetter

Pressekonferenz „Osteoporosis: Reaching New Heights in Fracture Risk Reduction“ beim European League Against Rheumatism (EULAR) 2008 in Paris, Veranstalter: Glaxosmithkline und Roche Pharma AG
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