ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2008Fehlerhafte Diagnose im Bereitschaftsdienst

RECHTSREPORT

Fehlerhafte Diagnose im Bereitschaftsdienst

Dtsch Arztebl 2008; 105(27): A-1520 / B-1312 / C-1280

Berner, Barbara

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LNSLNS Eine oberflächliche Untersuchung und eine fehlerhafte Diagnose während des Bereitschaftsdienstes stellen einen schwerwiegenden Pflichtenverstoß eines Arztes dar. Das hat das Berufsgericht für Ärzte in Stuttgart entschieden.

Im entschiedenen Fall wurde der beschuldigte Arzt während seines Bereitschaftsdienstes zu einer 84-Jährigen gerufen, die seit Jahren an Morbus Wegener litt und von ihrem Hausarzt medikamentös behandelt wurde. Fünf Tage vor dem Einsatz des besagten Arztes hatte der Hausarzt eine Verschlechterung des Allgemeinzustands der 84-Jährigen mit vermehrtem Husten und Auswurf festgestellt und deshalb die Medikamentendosis erhöht.

Gleichwohl stellte die Tochter am Samstagmorgen fest, dass es ihrer Mutter schlechter ging. Sie benachrichtigte den Bereitschaftsdienst und erklärte dem eingetroffenen Arzt, dass ihre Mutter an Polyangiitis leide. Der Arzt missverstand den Hinweis und dachte, die beiden Frauen sorgten sich wie viele zu dieser Zeit um eine Erkrankung an Vogelgrippe. Diese werde es wohl nicht sein, scherzte er. Die Bitte der Tochter, die Mutter ins Krankenhaus zu bringen, ignorierte er.

Hätte der Arzt im Bereitschaftsdienst die Patientin sorgfältiger untersucht und auch die Tochter ernsthaft befragt, hätte er von der Systemerkrankung gewusst. Dann hätte er auch die Entzündung im Mund nach der erhöhten Medikamentengabe als deutliches Zeichen für einen drohenden Zusammenbruch des Immunsystems zu werten gewusst. Stattdessen beließ er es bei einer oberflächlichen Anamnese und diagnostizierte eine Mandelentzündung. Dieser Pflichtverstoß wiegt schwer. Eine Geldbuße in Höhe von 1 500 Euro wurde als angemessen betrachtet. (Urteil vom 5. Dezember 2007, Az.: BGÄS 5/07) RA Barbara Berner
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