ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1997Weiterbildung: Alte Fehlentwicklungen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Weiterbildung: Alte Fehlentwicklungen

Stephan, Joachim

Zu dem Beitrag "Laboratoriumsdiagnostik: Weiterbildung dringend reformbedürftig" von Prof. Dr. med. Michael Krieg in Heft 11/1997
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LNSLNS Die geschilderten Probleme hängen nicht kausal mit den jüngeren Turbulenzen im Gesundheitswesen zusammen. Es ist auch nicht so, daß das (labor-)ärztliche Handeln als Folge derselben "fast zwangsläufig zu gewerblicher Tätigkeit pervertiert" wäre. Die beklagten Fehlentwicklungen sind vielmehr fast so alt wie das Fachgebiet "Labormedizin" selbst. Sie sind nicht durch äußeren Druck entstanden, sondern aus einem nahezu hemmungslosen Streben nach Gewinnoptimierung bei zunächst wenigen, später immer zahlreicheren Laborärzten.
Richtig schildert der Kollege Krieg die rechtswidrigen Machenschaften, mit denen diese Gewinnoptimierungen erreicht werden. Aber wer bietet denn Dumpingpreise, Kopplungsgeschäfte, Zuweisung gegen Entgelt, Vorteile jeder Art? Es sind Laborärzte, deren Namen jedem Insider (und natürlich auch den KVen) bekannt sind . . . Das Problem liegt ganz einfach darin, daß die Erstellung von Laboranalysen wegen des fehlenden direkten Patientenbezugs grundsätzlich industriell-großräumig möglich ist. Und was möglich ist, wird eben auch getan, insbesondere dann, wenn sich durch Rationalisierungseffekte satte Gewinne erzielen lassen.
Auch die etwas wolkige Kosten-Nutzen-Rechnung des Autors - mit dem Ergebnis: 1 000 Analysen in einem Großlabor seien für die Kassen teurer als 500 Analysen in einem kleineren Regionallabor - ist nur unter der Voraussetzung richtig, jede zweite Analyse sei unsinnig und würde nur aus merkantilen Gesichtspunkten angefordert. Einen solchen Mißbrauch sollten die KVen aber im Zeitalter der Budgets in den Griff bekommen. Geht man indessen davon aus, daß die 1 000 Analysen medizinisch indiziert und unverzichtbar sind, dann ist die Kostensenkung durch überregionale Erbringung doch wohl nicht zu bestreiten. Da überregionale Großlabore in aller Regel Gemeinschaftseinrichtungen mehrerer, oftmals einer Vielzahl von Laborärzten sind, ist auch der Einwand einer Qualitätsverschlechterung nicht richtig, die der Autor daraus ableitet, daß er das hohe Probenaufkommen einem Laborarzt zuordnet . . . Ich bin nicht sicher, ob es noch gelingen kann, das Fachlabor als regionale Fachpraxis zu erhalten. Eine Chance besteht nur dann, wenn es die Beteiligten . . . überhaupt wollen.
Dr. med. Joachim Stephan, Osterbruchweg 1, 29227 Celle
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