ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1997Weiterbildung: Fehlentwicklung durch „Mega-Labors“

SPEKTRUM: Leserbriefe

Weiterbildung: Fehlentwicklung durch „Mega-Labors“

Schön, Ekkehard

Zu dem Beitrag "Laboratoriumsdiagnostik: Weiterbildung dringend reformbedürftig" von Prof. Dr. med. Michael Krieg in Heft 11/1997
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LNSLNS Herrn Kollegen Krieg ist zu diesem engagierten Beitrag nur zu gratulieren! Eine der Fehlentwicklungen auf dem Gebiet der Labormedizin liegt unbestritten in dem Prinzip der Selbstzuweisung, die in Form der Laborgemeinschaften sowohl im Basislabor (hier überwiegend bei Kassenleistungen) als auch im Spezial-Labor über private Laborgemeinschaften zu einer Ausweitung der Laboranalysen über das medizinisch begründete und notwendige Maß geführt hat. Dies wird sich nicht ändern, solange der einzelne Arzt direkt ökonomisch interessiert sein wird, möglichst viele Laborleistungen zu möglichst niedrigen Preisen erbringen zu lassen, und selbst nach eindeutiger Neuregelung im Bereich der GOÄ Staatsanwälte keinen Handlungsbedarf sehen, den Auswüchsen der Privat-Laborgemeinschaften gegenzusteuern. Katalysator dieser Fehlentwicklungen sind einige überregional agierende "Mega-Labors", die übrigens ganz offen und bisher ungescholten Analysen der klinischen Chemie im Rahmen von Laborgemeinschaften für 10 Pfennige (weit unter den Selbstkosten des Labors!) anbieten und im gleichen Werbeprospekt darauf hinweisen, daß die Beteiligung des einsendenden Kollegen an den Transportkosten in Höhe von mehreren hundert DM pro Monat erlassen wird, wenn er diesen Kurierdienst auch in Anspruch nimmt, um Leistungen des (weit entfernten) Speziallabors XYZ, das mit der Laborgemeinschaft wirtschaftlich liiert ist, anzufordern.
Die Kehrseite dieser unkritischen Anforderung von Laborleistungen aus merkantilem Antrieb ist aber ein unübersehbares Defizit an Labordiagnostik in medizinisch begründeten Fällen, das in erster Linie aus mangelnder labormedizinischer Weiterbildung vieler Kollegen resultiert. Es ist also deutlich weniger an Laboranalysen für eine Diagnosefindung notwendig, dafür aber gezielter und qualifizierter indiziert.
Daß das Rationalisierungspotential im Bereich des medizinischen Labors weitgehend ausgeschöpft ist, darüber gibt es wohl einen Konsens auch außerhalb der Leistungserbringer. Dennoch existiert ein gewaltiges EinsparPotential an Honorar, das an Laborärzte, die in überregional tätigen Strukturen wirken, allein durch "Umleitung", das heißt Unterüberweisung von Laborproben aus einem KV-Bereich mit einem relativ niedrigen Punktwert in einen anderen KV-Bereich mit einem um ein oder zwei Pfennige höheren Punktwert zusätzlich ausgeschüttet werden muß. Hier wäre in der Tat ein Ansatzpunkt gegeben, bei dem die KBV für mehr Honorargerechtigkeit sorgen und gleichzeitig die Krankenkassen um viele Millionen DM pro Quartal entlasten könnte. Dieses Honorar-Plus infolge regionaler Punktwert-Differenzen stärkt zusätzlich die Position der MegaLabors, die in "Hochpunkt"-Regionen angesiedelt sind, eine Entwicklung zur Oligopolisierung, die zwangsläufig die Dominanz des kommerziellen Aspektes gegenüber dem ärztlichen Auftrag des Laborarztes noch verschärft.
Dr. med. habil. Ekkehard Schön, Tamborinostraße 13, 47906 Kempen
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