ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2008Randnotiz: Rauchen für die Auflage

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Randnotiz: Rauchen für die Auflage

Dtsch Arztebl 2008; 105(28-29): A-1525 / B-1317 / C-1285

Schmedt, Michael

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LNSLNS Die „Bild“-Zeitung – eine Medienmacht, die immer wieder beängstigend ist. Bundestrainer, Manager und Minister müssen um ihren Job fürchten, wenn das Blatt mit den großen Buchstaben einen von ihnen aufs Korn nimmt. Steuererhöhungen, zu hohe Managergehälter, egoistische Politiker: „Bild“ macht Stimmung, versteht sich als Anwalt des kleinen Mannes. Dazu noch Sex and Crime, fertig ist die Strategie, um das eigentliche Ziel zu erreichen: die Auflagensteigerung. Dass man dabei in schöner Regelmäßigkeit Gegendarstellungen abdruckt, sei nur am Rand erwähnt.

Jetzt gibt es wieder einen Aufreger, der die Republik teilt: das Rauchverbot. Es ist kein Geheimnis, dass der Anteil der Raucher unter den sozial Schwächeren in der Bevölkerung sehr hoch ist und diese wiederum zur primären Zielgruppe der „Bild“ gehören. Daher ist die neueste Aktion des Blattes ein Paradebeispiel des Direktmarketings. „Wirte holt euch den BILD-Aufkleber“ liest man seit Tagen in der Kölner Ausgabe des Blatts. Ein Anruf genügt und nach einem erfolgreichen „Bild“-Kneipencheck gibt es den „Bild“-Aufkleber als Orientierung für den Kneipengänger, wo noch geraucht werden darf, sei es in einem abgetrennten Raum oder in einem Raucherklub. Und das alles, damit „Raucher und Nichtraucher weiter friedlich miteinander umgehen". Danke „Bild“, danke, dass wir mit dieser Aktion dem drohenden Bürgerkrieg entgehen und die Raucher wieder Orientierung bekommen. Übrigens: Wer glaubt, diese Zeilen stammen von einem erzürnten Nichtraucher, der irrt. Selbst ein Raucher hat für diese Art durchsichtigen Marketings zum Zweck der Auflagensteigerung kein Verständnis.
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