ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2008Studie: Elektronische Patientenakte Überzeugte Anwender

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Studie: Elektronische Patientenakte Überzeugte Anwender

Dtsch Arztebl 2008; 105(28-29): A-1548 / B-1334 / C-1302

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Zwar arbeiten bislang nur wenige niedergelassene Ärzte in den USA mit elektronischen Krankenakten, doch ihre Erfahrungen damit sind überaus positiv.

Die Vorbehalte vieler Ärzte gegenüber dem Einsatz von Informationstechnologie in der Medizin allgemein und gegenüber der elektronischen Patientenakte (ePA) im Besonderen sind groß – nicht nur bei uns, wie sich einer im „New England Journal of Medicine“ kürzlich veröffentlichten Umfrage aus den USA entnehmen lässt (2008; 359: 50–60). Auch in den USA geht die Verbreitung der elektronischen Patientenakte bei den niedergelassenen Ärzten nur sehr schleppend voran, und nur ein verschwindend geringer Teil arbeitet bislang mit entsprechenden Systemen. Diejenigen aber, die eine ePA in ihrer Praxis einsetzen, sind damit sehr zufrieden und meinen, dass sich dadurch die Qualität der Versorgung verbessert habe.

In der Studie von Catherine M. DesRoches vom Massachusetts General Hospital in Boston wurden von September 2007 bis März 2008 2 758 niedergelassene Ärzte befragt. Lediglich vier Prozent der Befragten setzen eine ePA mit vollem Leistungsumfang ein und nutzen die technischen Möglichkeiten voll aus. Dazu zählen laut Untersuchung die Dokumentation der klinischen Daten, das Labordatenmanagement, das computergestützte Management von Leistungen wie Labortests (Order Entry) einschließlich elektronischer Verordnung sowie die computerunterstützte Therapieentscheidung (einschließlich Arznei­mittel­therapie­sicherheit). 13 Prozent der Befragten setzen immerhin eine ePA mit Basisfunktionen ein. Darunter fasst die Studie Systeme ohne klinische Entscheidungsunterstützung und Order-Entry-Funktionalität.

Als Hinderungsgründe für die Anschaffung einer ePA wurden vor allem wirtschaftliche und organisatorische Gründe genannt, so die Anschaffungskosten (66 Prozent), die Schwierigkeit, das richtige System zu finden (54 Prozent), der unsichere Return on Investment (50 Prozent) sowie Bedenken wegen des Produktivitätsverlusts bei der Einführung (41 Prozent). Auch der Aufwand, den die Auswahl und Einführung eines solchen Systems bedeuten, stellt eine Einstiegsbarriere dar. Als weniger wichtig wurden dagegen Datenschutzgründe eingeschätzt, wie etwa die Manipulationsmöglichkeit von Patientendaten oder der unbefugte Zugriff auf Patienteninformationen.

Von den Ärzten, die mit einem ePA-System arbeiten, sind diejenigen, die ein voll ausgerüstetes System einsetzen, insgesamt zufriedener als diejenigen, die mit einer ePA-Basisversion arbeiten (93 Prozent versus 88 Prozent). Auch halten mehr Ärzte der ersten Gruppe ihr System für bedienerfreundlich (88 Prozent gegenüber 81 Prozent) und zuverlässig (90 Prozent gegenüber 79 Prozent) als die Ärzte mit der ePA-Minimalversion.

Befragt nach dem Nutzen einer ePA rangieren für die Anwender der Vollversion der zeitnahe Zugriff auf medizinische Daten (97 Prozent), das Ausstellen von Wiederholungsrezepten (95 Prozent), die Qualitätsverbesserung der Kommunikation mit anderen Leistungserbringern (92 Prozent) und das Vermeiden von Medikationsfehlern oben (86 Prozent). 82 Prozent der Ärzte sind überzeugt davon, dass sich die Qualität ihrer klinischen Entscheidungen verbessert hat. Generell bewerteten die Anwender der ePA-Vollversionen den Nutzen der Systeme höher als die Anwender einer ePA-Basisversion.
Heike E. Krüger-Brand

Abstract der Studie im Internet:
www.aerzteblatt.de/plus2808
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