ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2008Krankenhaus: Das Tor zum Chaos
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Ich war früher als Stationsärztin auf einer Inneren Abteilung eines kleinen Krankenhauses tätig. Zur Kostendämpfung schloss die Verwaltung eine Innere Station. Die überzähligen Patienten wurden auf die unterbesetzten Belegstationen verteilt. Ich konnte also selbst die Erfahrung machen, wie es sich auf drei bis fünf Stationen gleichzeitig arbeitet. Es war das reinste Chaos. Ein Punkt, der mich beim CCC wirklich interessieren würde: Wie plant man die Visitenzeiten, wenn man nicht weiß, wie viel Zeit man auf der jeweiligen Station verbringen muss, um alle Patienten zu besuchen? Wenn die Zahl beispielsweise zwischen drei und 13 Patienten variiert? Gibt es in dem Zeitplan dieser Klinik für die Ärzte so viel Pufferzeiten, dass die Belegungsschwankungen abgefangen werden können? Meine Leistungsbeschreibung umfasste die Betreuung meiner Patienten, die Versorgung von zwischen null und acht Notaufnahmen, die hausinternen Notfälle und (Freizeitbeschäftigung) die Funktionsuntersuchungen, wechselnd auch die Betreuung der Intensivstation, wenn der Intensivarzt in der Pause war. Es wäre mir nicht möglich gewesen, für jede Station eine feste Visitenzeit festzulegen, und ich hatte alle Mühe, überhaupt über die Runden zu kommen. Meine Visite war ineffizient, die Zeitdauer für die Versorgung der Patienten dauerte zwei- bis dreimal so lange wie en bloc auf einer Station, vor allem, weil man die Patientenakte erst aus den Händen der betreuenden Schwester reißen musste (dank Bereichspflege bis zu drei Schwestern pro Station) und später die Schwester von ihren Routinetätigkeiten loseisen musste, die sie dank wechselnder Visitenzeiten nicht an meine Bedürfnisse anpassen konnte. Fehlen die Geldmittel für einen angemessenen Personalschlüssel, sowohl bei Ärzten als auch bei Pflegekräften (und das dürfte derzeit an den meisten Krankenhäusern der Fall sein), ist dieses Modell meines Erachtens nicht empfehlenswert, im Gegenteil: Die Zufriedenheit von Patienten und Pflegepersonal leidet, die Qualität der ärztlichen Versorgung sinkt.
Dr. Sigrid Lochmann, Kapellenweg 1/1,
88147 Achberg
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