ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2008Börsebius: Schwierige Perlensuche

GELDANLAGE

Börsebius: Schwierige Perlensuche

Dtsch Arztebl 2008; 105(28-29): A-1569 / B-1353 / C-1321

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn es mit dem Markt bergab geht, ist – wie derzeit – kein Halten in Sicht. Die Börsianer sagen hierzu: Die Baisse nährt die Baisse. Dieses Jahr so richtig viel falsch zu machen, war überhaupt keine Kunst, manche Automobilaktien halbierten sich im Kurs, und bei etlichen Banktiteln sieht es noch düsterer aus.

Auch die Idee, weiter auf Rohstofftitel zu setzen, die ja bisher ganz gut gelaufen sind, ist nicht wirklich überzeugend. Wenn es tatsächlich zu einer weltweiten Konjunkturabschwächung kommt, wird die Nachfrage nach Stahl und Energie selbstverständlich abnehmen. Die jüngsten Einknicke, etwa bei Thyssen und Salzgitter, kommen daher für mich nicht überraschend, haben vielmehr gewichtigen Vorbotencharakter. Bei Maschinenbauaktien steht uns möglicherweise Ähnliches bevor.

Der Börsenfuchs wird also nicht umhinkönnen, sich bei seiner Suche auf versteckte Perlen zu konzentrieren. Dabei gilt, je unbeachteter das Segment („Covering“ durch Analysten), desto attraktiver sind die möglichen Gewinnchancen. Anderseits wird fundierte Informationsbeschaffung umso schwieriger, je kleiner der Laden oder die Branche ist. So buhle ich etwa beim Kontaktlinsenhersteller Lenswista AG seit einiger Zeit erfolglos um substanzielle Unternehmensdaten; Finanzvorstand Jürgen Schofeld hat sein Lieferversprechen bislang jedenfalls nicht eingehalten.

Wie sieht es dagegen mit Werten aus dem Gesundheitsbereich aus? Es macht vermutlich wenig Sinn, sich mit den großen Pharmaaktien zu beschäftigen, da ist kaum Musik drin. Knappere Budgets, auslaufende Patente, arge Gesundheitspolitik und Schwindsucht bei den Kassen sind nur einige Stichworte. Aktien des Pharmagroßhandels sind für meinen Geschmack auch schon zu ausgelatscht und taugen ebenfalls nicht als zwingende Anlageidee.

Als ich jüngst in eine Diskothek geriet – alles auf freiwilliger Basis –, war mir schnell klar, dass es dort ordentlich was auf die Ohren gibt. Ich weiß freilich auch, dass dies einer ganzen Generation schnurzegal ist. Aber jede Schlechtigkeit hat ja auch ihre positiven Seiten. Auf die Art bin ich nämlich auf Aktien von Unternehmen gestoßen (worden), die gutes Geld mit der chronischen Schwerhörigkeit anderer verdienen; und, potz Blitz, auch noch mit satten Wachstumsraten aufwarten können. Von den vier mir ins Visier geratenen Hörgerätefirmen gefallen mir Sonova aus der Schweiz und William Demant aus Dänemark am besten, Amplifon (Italien) und Audika (Frankreich) eher weniger.

So mühsam und schwierig die Perlensuche auch ist, so mag ich doch nach wie vor die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Baisse nicht mehr lange die Baisse nährt, sondern einer nachhaltigen Erholung Platz macht. Mein Tipp für den Startschuss wäre Anfang bis Mitte August. Geht die Annahme fehl, müssen’s die Preziosen, in diesem Fall das Geschäft mit der Schwerhörigkeit, dann eben doch richten.
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