ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2008Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Werner Nöfer – Landschaft reflektiert

KUNST + PSYCHE

Aufbruch 1968 – 40 Jahre später: Werner Nöfer – Landschaft reflektiert

PP 7, Ausgabe Juli 2008, Seite 290

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LNSLNS Die breit angelegte Diskussion um unsere medial vermittelte Wahrnehmung begann in den 60er-Jahren: eine durch Fotos, Film und Fernsehen bestimmte Erlebniswelt. 40 Jahre später reicht diese Entwicklung bis in virtuelle Welten und zu einem „second life“. Werner Nöfer gehört zu den Künstlern der 60er- Jahre, die diese Thematik früh zum Ausgangspunkt ihrer Bilderfindungen nahmen. Einem größeren Publikum wurde er sowohl durch seine großflächigen Wandbilder an Außenfassaden als auch durch seine zahlreichen Druckgrafiken bekannt, die seinerzeit in vielen Angeboten der boomenden Grafikeditionen zu finden waren. Dabei widmete sich Werner Nöfer vor allem der Landschaftsdarstellung, die als überholt und kunsthistorisch abgearbeitet galt. Diesem Thema waren neue Facetten abzugewinnen, wie sich am vorliegenden Siebdruck von 1968 aufzeigen lässt. Die Silhouette einer Landschaft mit bewölktem Himmel kontrastiert zu einer Schnittdarstellung eines Kanals. Für die Darstellung der Wasserfläche verwendet der Künstler ein das Auge irritierendes Op-Art-Muster. Inhaltlich irritierend wird diese Abstraktion einer Landschaft, wenn wir das Schiff als Kriegsschiff erkennen und damit die aufstrebenden Kreise als Schießscheiben oder Zielmarkierungen identifizieren müssen. Da das Bild von breiten roten Balken gerahmt wird, erfährt es sowohl eine Distanzierung als auch eine erhöhte Aufmerksamkeit, einem Verkehrsschild vergleichbar. Diese Kombination aus der Festlegung eines Bildausschnitts durch Rahmung, Op-Art-Effekt, Silhouette und Schemazeichnung eines Landschaftsquerschnitts verweist uns darauf, dass wir Landschaft schon lange nicht mehr unvoreingenommen wahrnehmen können. Landschaft erleben wir im Ausschnitt durch das Auto- oder Flugzeugfenster oder reflektiert durch unser Wissen um Landschaftsarchitektur, Gefährdung durch Umwelteinflüsse bis hin zu Gefahren durch terroristische Angriffe und deren Abwehr durch eine vermehrte Präsenz von Polizei und Militär. Hartmut Kraft

Biografie Werner Nöfer
Geboren 1937 in Essen. 1956 Besuch der Folkwangschule in Essen; ab 1961 der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg. Zusammen mit Dieter Glasmacher propagierte W. N. 1969 das „Straßenkunstmuseum“ und forderte Konzerne, Gesellschaften, Bauherren et cetera auf, öffentlich zugängliche Malflächen zur Verfügung zu stellen. Neben Arbeiten im öffentlichen Raum publizierte W.N. vor allem Druckgrafiken, um ein breites Publikum preisgünstig mit aktueller Kunst in Kontakt zu bringen. 1976 Preis der internationalen Triennale für farbige Grafik in Grenchen. 1979 bis 2002 Professur an der Fachhochschule Dortmund. Nöfer lebt in Norddeutschland.

LiteraturW.N.: W.N. Galerie Walter, Düsseldorf 1970.
W.N.: Papierarbeiten 1982–1989. Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen 1990.
Wedewer R: Landschaftsmalerei zwischen Traum und Wirklichkeit. Dumont, Köln 1970.
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